45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krazy Cherry Fruit Company südlich von Oliver sind in Quarantäne. Freund John, der seit dem Ausbruch der Pandemie für uns in Oliver einkauft, hat die Fruchtfarm in letzter Zeit viermal mit Verpackungsmaterial beliefert. Nach gemeinsamem Überlegen fanden wir es sicherer, den Hauslieferdienst für vierzehn Tage zu unterbrechen. Wir hoffen natürlich sehr, dass John bei seiner Arbeit für Krazy Cherry Fruit nicht mit Covid-19 angesteckt wurde!
Diese Woche beschloss eine Hirschmutter, uns ihre beiden Bambis vorzustellen.
Bambi Nummer zwei wollte sich nicht entsprechend bemuttern lassen und verschwand, seine Selbstständigkeit demonstrierend, gleich wieder hinter dem Atelier. Damit verpasste es die Führung zum Vogelbad.
Hier stellte jetzt Bambi Nummer eins seine Selbstständigkeit unter Beweis, während sich die Mutter auf die Suche nach seinem Geschwister machte.
Auf der Webseite www.ripoffartists.ca stellen wir uns so vor: The RipOff Artists are a group of South Okanagan artists who work in different media to interpret a work of a well-known artist of the past. Unser 13. Opfer war letztes Jahr Andy Warhol mit seinen „Marilyn Monroes“ (meine Blog-Beiträge vom 29. Juni und 10. Juli 2019). Als wir dann im Herbst unser Opfer für 2020 wählten – Marc Chagall mit seinem Aquarell „Der blaue Zirkus“ – konnten wir nicht ahnen, dass die Trapezkünstlerin in einer von Covid-19 heimgesuchten Zeit noch viel verspielter, unbeschwerter wirken würde. Was wir auch nicht voraussehen konnten: dass wir während unserer „RipOff“-Woche nicht im „Quail’s Nest Art Centre“ in Oliver vor Publikum an unseren Projekten arbeiten könnten. Die Woche findet dieses Jahr als „virtual studio tours“ im Internet statt. Als „Anwärmübung“ liessen wir uns von einem Chagall-Werk der eigenen Wahl inspirieren. Ich entschied mich für einen Geigenspieler.
Weil Chagall auch Radierungen schuf, bot sich mir hier die ideale Gelegenheit, meine vor Jahren gekaufte kleine Druckerpresse endlich einzuweihen. Ich wollte den Geigenspieler in einen Trapezkünstler verwandeln und zusammen mit der Zirkuskünstlerin in einer Kaltnadelradierung festhalten.
Ich ritzte meine Idee in eine Plexiglas-Platte.
Die Platte ist mit schwarzer Druckerfarbe eingefärbt. Nicht zu sehen sind meine ebenfalls tiefschwarzen Finger…
Nachdem Marianne mit sauberen Händen das vorher angefeuchtete Papier auf die Platte gelegt hatte, kommt die Presse jetzt zu ihrem ersten Einsatz.
Das Resultat ist nicht perfekt, aber doch so ermutigend, dass ich bereits Ideen für weitere Radierungen sammle…
Schön ist er, der Northern Flicker, der einzige kanadische Specht, der ab und zu auch am Boden Futter sucht. Schön, aber mühsam! Selbst ein Fahndungsfoto hält diese Vögel (Länge 30-35 cm) nicht davon ab, sich rücksichtslos hämmernd und hackend Zugang zu den Dachböden von Haus und Atelier zu verschaffen. Dort übernachten manchmal bis zu sechs Flicker und zwei, drei Pärchen bauen sich in der Brutzeit ihr Nest.
Vor ein paar Jahren – wir waren für einen Monat in die Schweiz gereist – profitierte ein Flicker von unserer Abwesenheit und hackte sich neben dem Ateliereingang durch die Zedernbretter der Aussenwand. Hätte er ungestört weiterarbeiten können, wäre er wohl schliesslich durch Isolationsschicht und Gipswand bis in meinen Werkzeugschrank vorgedrungen. Mit einem der Objekte, die ich für eine Theateraufführung in Oliver gestaltet hatte (im Stück kam ein verkannter Künstler vor), hinderte ich den einsatzfreudigen Vogel an der Weiterarbeit.
Dieses Jahr entdeckte nun ein Zaunkönigpärchen die hinter der alten Bratpfanne versteckte „Nisthöhle“ und baute sie nach Zaunkönigsart mit Ästchen aus. Die Jungen sind jetzt ausgeschlüpft und melden sich lautstark, wenn ich ins Atelier trete.
Wie erfreulich wäre es doch, wenn „unsere“ Flicker sich nicht in Atelier und Haus, sondern in Bäumen häuslich einrichten würden, wie hier in einer alten Trauerweide am Okanagan River!
Das alte „Freundschaftsglas“ fotografierte ich auf dem Bistro-Tischchen neben meinem Atelier.
In einer Zeit der auf Distanz angetönten Umarmungen und mit der Hand zugeworfenen Küsse, der langen Telefongespräche, der Youtube-Konzerte, ZOOM-Sitzungen und virtuellen Museumsbesuche bekommt „Freundschaft“ einen nostalgisch romantischen Glanz, auch wenn wir sie nicht mehr so pathetisch „besingen“ können, wie dies die dänische Dichterin Friederike Brun tat.
Mit ihrem Berner Freund, dem Schriftsteller und Politiker Karl Viktor von Bonstetten, und mit ihrem deutschen Dichterfreund Friedrich Matthisson, der die Prinzessin von Anhalt-Dessau begleitete, verbrachte sie zehn unvergessliche Tage in Mendrisio, nachdem sie auf der Hinreise in Jena Schiller und von Karlsbad aus Goethe besucht hatte.
Von Mendrisio aus machte sie mit Bonstetten, Matthisson und der Prinzessin einen Ausflug in die am Comersee gelegene Villa Pliniana. Hier besiegelten die vier in einer Lorbeergrotte einmal mehr ihren Freunschaftsbund. Ich zitiere Friederike Brun aus dem 1944 im Artemis-Verlag Zürich erschienenen Buch „Frühe Freunde des Tessins“ von W. A. Vetterli.
Am 23. September 1795 hatte die Dichterin in ihr Tagebuch eingetragen:
Wie waren wir glücklich durch Einfalt und Güte! Alle trüben Nebel weit unter uns, schienen wir uns ohne Hülle zu durchblicken! Stille Einfalt des Herzens, sanfte Güte! Dir weihten wir uns ganz! Durchdrungen von namenloser Empfindung, fühlten wir uns wie von höheren Wesen umgeben! – Hand in Hand vereint, gelobten wir Treue – dir, o Natur! dir o Freundschaft! und dir kindlichen Dank, o hoher Regierer unserer Schicksale! O Villa Pliniana! So haben wohl nie Menschenherzen dir geopfert! Dir, o Unsterblichkeit! wollen wir leben und sterben! Und wäre nicht allein ein solcher Moment hier schon Pfand der Zukunft? Ja! Diese Felsen werden versinken, versiegen der Quell. Wir aber werden noch sein und uns noch lieben!
Im Oktober reitet Friederike dann mit Bonstetten durch die Centovalli, schreibt am 6. Oktober:
… Der Himmel war überall grau, nur fern über den steigenden Gebirgen unseres Centovalli lächelte uns eine ätherblaue Hoffnung der Zukunft entgegen. Um uns war alles wildromantisch. Giessbäche fallen über nackten, glänzenden Felsen herab, von prächtigen Kastanienhainen überwölbt…
Als Schluss füge ich hier einen Ausschnitt aus dem um 1890 in der Reihe „Europäische Wanderbilder“ bei Orell Füssli in Zürich erschienenen Band „Locarno und seine Thäler“ bei. Geschrieben hat das Buch J. Hardmeyer, illustriert wurde es von J. Weber.
Am Freitag brachten Marianne und ich meinen Ausstellungsbeitrag in die Public Art Gallery von Penticton. Seit dem 8. Juni ist die Galerie, inzwischen mit den vorgeschriebenen Covid-19-Schutzmassnahmen ausgerüstet, für eine beschränkte Anzahl von Besucherinnen und Besuchern wieder offen.
Maskiert übereichte ich meine Malerei der maskierten Galerie-Mitarbeiterin. Das Foto zeigt rechts Mariannes und links meine Maske.
Die Ausstellungbeiträge dürfen nicht grösser als 27,5 cm X 35 cm sein. Meine Arbeit trägt den Titel: „Farben vor und während der Covid-19-Pandemie 2020“.
Die PAG will die Ausstellung „virtuell“ über die Museumswebseite zugänglich machen.
Die „Türstopperin“ muss keine Gesichtsmaske tragen…
Als Viertklässler wollte ich „Tierforscher“ werden. Meine Patin schenkte mir die Bände „Die Welt der Vögel“ und „Die Welt der Säugetiere“ von Otto Fehringer. Gezeichnet wurde der Biber von Wilhelm Eigener. Beide Bücher haben mich nach Kanada begleitet. Ich zitiere aus dem ausführlichen Artikel über den Biber: „Seine Gewohnheit, gesunde Bäume zu fällen und zu fressen, setzte ihn seit jeher starker Verfolgung aus; dazu kommt das Begehren nach seinem wertvollen Fell.“ Biberpelz ist längst nicht mehr gefragt und die fleissigen Tiere vermehren sich prächtig. Manchmal werden sie dabei von so etwas wie „Grössenwahn“ gepackt.
Die Aufnahme machte Marianne Ende Februar. Der Baum fiel schliesslich nicht ins Wasser, sondern verbarrikadierte, wie wir auf unserem nächsten Spaziergang feststellten, den Wander- und Radweg…
Will Ferguson (ich wies in meinem letzten Beitrag auf sein Buch hin) schreibt unter dem Begriff „Die grosse kanadische Biberlüge“, in der Elementarschule habe sein Lehrer erklärt, der Biber sei das kanadische Nationalsymbol geworden, weil er arbeitsam, friedlich, ehrlich und freundlich sei. Ferguson fragt sich, wie sich die Ehrlichkeit eines Bibers feststellen lasse. Und überhaupt, den Kanadierinnen und Kanadiern fehle die biberähnliche Arbeitsethik. Was Ferguson nicht erwähnt: Der Biber ist ein begabter Holzbildhauer oder wohl besser: Holzbildnager.
Hier die gleiche Skulptur im Schnee.
Und zum Schluss ein drittes Beispiel für das von Ferguson verkannte künstlerische Talent des Bibers.
In seinem 1997 erschienenen Buch „Why I hate Canadians“ setzt sich der kanadische Autor Will Ferguson auf geistreich bissige Art mit der kanadischen Geschichte, dem kanadischen Selbstverständnis und damit auch mit der „nationalen Ikone Biber“ auseinander: „Die Russen haben einen Bären, die Amerikaner einen Weisskopfadler, die Briten einen aufgerichteten Löwen – und Kanada? Kanada hat einen Biber.“ Ferguson ist von dieser Wahl alles andere als beeindruckt, findet, man hätte doch einen Wolf oder einen Eisbären oder einen Bison oder einen Luchs oder (warum nicht?) eine Kanada-Gans wählen können! Aber nein, Kanadas Nationaltier ist ein dreissig Kilogramm schwerer Nager, dessen einziger heldenhafter Charakterzug es ist, mit klatschenden Schwanzschlägen seine Kollegen vor einer Gefahr zu warnen, bevor er selbst davonrennt. Ich werde auf Fergusons „Würdigung“ des Bibers in einem nächsten Beitrag zurückkommen.
Früher konnten wir Biber in einem kleinen Stausee in unserer Nähe beobachten. Der eindrückliche Damm ist inzwischen verlandet.
Am Okanagan River unten ist Baumeister Biber aber fleissig am Werk.
Wobei es an einer Stelle mit dem Einsatz von Drahtgeflecht zu einem (vorläufigen?“) Baustopp kam.
Im Frühling müssen wir unsere Garteninseln aus der sie umgebenden Wildnis zurückgewinnen. Marianne hält die Insel beim Haus bis in den Herbst hinein so gut offen, dass sie nach dem Jäten mit Pflanzen beginnen kann.
Jetzt sieht die Insel gegen Westen so aus:
Und hier ein Blick nach Osten:
Hinter dem Atelier müssen die kleinen Inseln jeweils auf heftigere Art für die Bepflanzung zurückgewonnen werden.
Nach der Besiedlung mit Kürbis-und Zucchettipflänzchen sieht dieses Inselchen jetzt so aus:
Am Abend lindert Harry Belafonte mit viel Schmelz in der Stimme die Rückenschmerzen und erinnert mich an den kleinen Plattenspieler aus dunkelgrünem Bakelit und die Belafonte-Platte, die mir meine Tante Heidi zu Weihnachten schenkte, als ich ein Achtklässler war.
Dieses Foto nahm ich um 1970 für mein 1972 im Verlag Paul Haupt in Bern erschienene Heimatbuch „Die Centovalli“ auf. Vom Älpchen Saltic aus öffnet sich die Sicht westwärts ins „Tal der hundert Täler“. Wie so ganz anders präsentiert sich die Talsicht etwa dreihundert Meter von unserem Haus entfernt nach Süden hin:
Gemeinsam haben die beiden Fotos, dass sich die Sicht über Landesgrenzen hinaus öffnet, aus den Centovalli nach Italien, aus dem Okanagan Valley in die USA. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre: Von unserem Haus auf dem Secrest Hill aus können wir dank der von Robert Zuber in Costa über Borgnone eingerichteten Webcams jederzeit auch einen aktuellen Blick in die Centovalli werfen! (https://centovalli-tessin.ch/costa/ )
Zum Schluss eine Aufnahme, die ich im Sommer etwa zehn Autominuten von uns entfernt machte. Hier hatte zwischen 1888 und 1920 das Goldgräberstädtchen Fairview gestanden.
Blick auf den südlichsten Teil des Okanagan Valley.