„Honest John“

Wer ist der Mann, der mit einer Covid-19-Schutzmaske im Gesicht mitten in Oliver steht? Es ist der Politiker, dem das Städtchen Oliver seine Existenz und damit auch den Namen verdankt: „Honourable John Oliver“, Premier von British Columbia von 1918 bis 1927.

Dass ein Politiker zum Übernamen „der Ehrliche“ kommt, also nicht nur, wie in Kanada bei Politikerinnen und Politikern üblich, „ehrwürdig“ ist, macht neugierig. Ich werde mich in einem nächsten Beitrag dem  Leben und Wirken von John Oliver zuwenden.

Pflaumengestirne

Im Gedicht „Blau“, das ich 1971 in den Centovalli schrieb, heisst es von einer Pflaume:

Zuerst hängt sie vor dem Himmel, / dann daran, / dann darin: / pflaumenblau im Himmelblau.

In der aktualisierten Okanagan Valley – Fassung von 2011 lasse ich einen unserer Schwarzbären zu Wort kommen:

Ich stelle mich unter den Baum, / fresse die unteren Äste leer. / Die Pflaumen über mir / hängen zuerst vor dem Himmel, / dann daran, / dann darin: / Pflaumengestirne, / pflaumenblau im Himmelblau.

Dieses Jahr waren die Bären sehr grosszügig: Sie überliessen uns die ganze Pflaumenernte und verzichteten auch darauf, die Pergola beim Atelier zu plündern.

Ein paar Pflaumen wurden von den Vögeln angepickt und zogen die Wespen an.

Dem mit einem elektrisch geladenen Zaun geschützten benachbarten Rebberg unserer Verwandten stattete ein Bär dieses Jahr nur einen kurzen Besuch ab. Dann wurde er vom Partner unserer Nichte entdeckt und verjagt.

Der Sommer war sehr gross.

Das Gedicht HERBSTTAG von Rainer Maria Rilke kommt mir in den Sinn:

HERR: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross. / Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, / und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; / gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, / dränge sie zur Vollendung hin und jage / die letzte Süsse in den schweren Wein.

Erfreulich war auch unsere Tomatenernte.

Die Roma-Tomaten eignen sich besonders gut zum Trocknen.

Hier sitze ich mit passender Covid-19-Maske vor unserem Garten:

Kurz nachdem ich gestern das Foto mit unseren Birnen und Äpfeln aufgenommen hatte, erreichte uns der Rauch der katastrophalen Waldbrände in Kalifornien, Washington State und Oregon. Seither können wir unsere Fenster nicht mehr öffnen und bleiben möglichst im Haus. CBC Radio wiederholt immer wieder die Warnung vor der gesundheitsschädigenden Wirkung der Rauchpartikel.

Rundgang durch Willowbrook

Bevor wir – als Fortsetzung meines Beitrags über das erfolgreiche Rodeo-Cowgirl Vanessa Caverly – unseren Rundgang durch Willowbrook  beginnen, profitieren wir davon, dass die Feuerwehr gerade daran ist, ihre Ausrüstung zu überprüfen.

Wir wohnen im Bereich der Feuerwehr von Oliver, doch das Willowbrook Fire Department half schon mehrmals tüchtig mit, Busch- und Waldbrände in unserer nächsten Umgebung zu löschen. Was die Feuerwehrleute im Okanagan Valley jedes Jahr leisten, ist höchst bewundernswert, und wir sind ihnen entsprechend dankbar!

Dass Willowbrook nicht nur ein friedliches, sondern auch ein pferdefreundliches Dorf ist, beweist eine „Markierung“ auf der Strasse vor dem Schild.

Ein neugieriges Pferd…

… begrüsst uns freundlich.

Mit der Silhouette eines rastenden Cowboys verabschieden wir uns von Willowbrook.

Cowgirl

Als aktuelle Fortsetzung zum Beitrag „Cowboys“ vom 9. August 2020 hier ein Blick in die wöchentlich erscheinende Lokalzeitung „Times-Chronicle“:

Vanessa Caverly nahm dieses Jahr erfolgreich am „National High School Finals Rodeo“ in Guthrie, Oklahoma, teil. Damit qualifizierte sie sich zum dritten Mal seit 2018 am weltweit grössten Rodeo. Vanessa stammt aus dem von uns 2 km entfernten Weiler Willowbrook, wo viele Einwohner Pferde besitzen.

Die Umgebung von Willowbrook ist fürs Reiten ideal.

.Vanessa erhielt als Auszeichnung ein Rodeo-Stipendium vom Western Texas College und wird mit ihren drei Pferden von Oklahoma nach Snyder, Texas, ziehen, um dort ihr Studium (Associate of Science Degree) zu beginnen. Hier ein zweiter Blick auf die pferdefreundliche Landschaft von Willowbrook.

Wahrzeichen von „Weidenbach“ ist eine Reihe von Trauerweiden.

Gottesanbeterinnen und Eidechsen

Das Insekt, das mich in den Centovalli als Kind am meisten faszinierte, war die Gottesanbeterin (Mantis religiosa), und es freut mich, dass sie im Okanagan Valley auch um unser Haus herum vorkommt. Ich gehe davon aus, dass es sich beim hellbraunen Exemplar auf meiner Hand (Foto Marianne) um eine Variante der meist grünen europäischen Art handelt, die um 1899 zufällig mit Pflanzen aus Südeuropa nach Nordamerika kam. 1896 war eine chinesische Art eingeführt worden, in der Hoffnung, sie würde möglichst viele Schädlinge vertilgen. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Gottesanbeterinnen unterscheiden nicht zwischen – aus menschlicher Sicht- Schädlingen und Nützlingen. Freilandstudien haben übrigens bestätigt, dass das Weibchen von Mantis religiosa gelegentlich vor, während oder nach der Paarung das Männchen auffrisst.

Eidechsen – ich beobachtete sie als Kind in den Centovalli besonders gern – gibt es im Okanagan Valley keine mehr. Diesen „Western Skink“ fotografierte ich in unserem Nachbartal Similkameen. Die jungen Tiere fallen mit ihrem blauen Schwanz besonders auf.

Die einheimische Echse, die wir gern in unserer Umgebung antreffen würden, gilt als ausgestorben. 1898 wurden in Osoyoos (etwa 30 Autominuten südlich von uns) noch zwei „Pigmy Short-horned Lizards“ gefunden, später ein paar weitere gemeldet. Fotografische Belege fehlen. Mit der Erlaubnis des Naturfotografen Gary Nafis kann ich hier trotzdem ein Exemplar zeigen. In den USA kommen diese Echsen zum Glück immer noch vor. Weitere Fotos und Informationen sind bei www.californiaherps.com zu finden.

Verlassen

Als ich um 1970 in einem verlassenen Maiensäss in den Centovalli dieses Foto machte, dokumentierte es für mich auf melancholische Art die Landflucht. Farn und Birken hatten das Weideland um das Haus herum schon fast ganz überwuchert. Nicht weniger melancholisch stimmen mich die Fotos, die ich vor sieben Jahren zehn Wanderminuten von uns entfernt machte.

Das Leben des mit seiner Mutter als Kind aus Estland eingewanderten Al würde genügend Stoff für einen Roman bieten.

Als „Aussteiger“ lebte Al zurückgezogen zuerst in einem Tipi, dann in einem Wohnwagen. Unsere Verwandten hatten ihm erlaubt, sich auf einem abgelegenen Teil ihres Grundstücks niederzulassen. Dort lebte er mit seinen beiden Pferden und betonte immer wieder, dass Pferde als Freunde treuer seien als Menschen.

Nachdem beide Pferde gestorben waren, liess Als Gesundheit nach. Mit Hilfe seines Sohns, der ihn ab und zu besuchte, verliess er das Tal. Zurück blieb auch sein Cowboy-Hut.

Hoffen wir, dass der Titel des Buches, das er mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zurückgelassen hatte, für ihn trotz allem stimmte!

Cowboys

Diesen Nachwuchscowboy fotografierte ich vor fünfzehn Jahren am jährlichen Umzug in Oliver. Ob er inzwischen an Rodeos teilnimmt?

Der wohl berühmteste kanadische Rodeo Cowboy kam aus dem 20 Autominuten von uns entfernten Okanagan Falls. Kenny McLean war von First Nations-Abstammung. 1993 wurde er in die „Canadian Rodeo Cowboy Hall of Fame“ aufgenommen. 1974 war er bereits als einziger Rodeo Cowboy in die „Sports Hall of Fame“ von British Columbia aufgenommen worden.

Und als einziger Cowboy wurde Kenny McLean mit der höchsten kanadischen Auszeichnung, dem „Order of Canada“, geehrt.

Hochsommer

Bei uns auf dem Hügel steigt die Hitze im Schatten tagsüber bis auf 40 Grad Celsius und um 22 Uhr zeigt das Thermometer immer noch 27 Grad. Optisch sind für mich die roten Blüten des Trompetenbuschs vor blauem Himmel der Inbegriff von Hochsommer. Beim Morgenessen fotografierte ich durch eines unserer Küchenfenster einen Kolibri, der sich Nektar aus den Blütenkelchen holte.

Hier noch einmal aus der Nähe und nicht durch eine reflektierende Scheibe getrübt die leuchtende Blütenpracht.

Akustisch ist für mich das laute rhythmische Zirpen der Zikaden der Inbegriff von Hochsommer. Von der Dämmerung an bis in die Nacht hinein „konzertieren“ die „Western Okanagan Cicadas“ (Okanagana occidentalis) um unser Haus herum. Die Larven der Zikaden leben mehrere Jahre im Boden, wo sie sich von Baumwurzeln ernähren. Dann steigen sie in einem Frühsommer an die Oberfläche und verwandeln sich. Das seltene Schauspiel einer solchen Verwandlung konnten wir vor ein paar Jahren auf einer Wanderung bewundern. Zum Glück hatte ich eine zwar schwere, aber entsprechend gute Kamera mitgeschleppt. Das erste Foto nahm Marianne beim Aufstieg auf.

Beim Abstieg (Foto wiederum von Marianne aufgenommen) stellten wir fest, dass die Verwandlung fast abgeschlossen war. Nur die Adern der linken Flügel mussten noch mit einer leuchtend grünen Flüssigkeit gefüllt werden.

Malven

Die Malven oder Stockrosen heissen bei uns „hollyhocks“ und blühen dieses Jahr besonders schön.

Robert Zuber schrieb in seinem Blog „Gedichte für Sommerträume“  ( https://centovalli-tessin.ch/gedichte-fuer-sommertraeume/ ) zu meinen Gedichten: „Seine Seele baumelt zwischen Centovalli und Okanagan Valley…“ Das tut sie jetzt auch, wenn  ich unsere Malven betrachte. Sie wecken in mir sommerliche Kindheitserinnerungen.

Meine Grossmutter Marie pflanzte in Remagliasco in ihrem Garten und ums Haus herum „malve“. Die Fruchtkapseln mit ihren zahlreichen Teilfrüchtchen luden zum Mitnehmen ein, so dass in unserer Nachbarschaft und in Intragna von Sommer zu Sommer mehr Malven blühten.

Mein künstlerisch begabter Vater war zeichnender- und malenderweise mit vielen Techniken vertraut. Im Sommer 1953 (ich war damals ein Drittklässler) wollte er den Malvenstrauss in der Fensternische unseres Essraums mit „Spachteln“ festhalten, die er sich aus elastischem Eschenholz schnitzte.

Es blieb sein einziges „Spachtelbild“: Die Form der Blüten habe sich für diese Technik geeignet, aber die zarte Transparenz sei dabei verloren gegangen…