Ein trauriges Kapitel der kanadischen Geschichte 2

Greenwood war eines der acht Internierungszentren, in denen die kanadisch-japanischen Deportierten festgehalten wurden. Die einheimische Bevölkerung nahm die vielen Neuankömmlinge mit gemischten Gefühlen auf. Wie würde sich das vom Staat verordnete Zusammenleben gestalten lassen?

Die Internierten mussten Identifikationsnummern auf sich tragen. Der Besitz von Autos, Radios und Kameras war ihnen verboten. Für ihre medizinische und zahnärztliche Betreuung wurde gesorgt. Die Nonnen der Sacred Heart Church begannen sofort, die vielen Kinder zu unterrichten. Die einheimischen Schulkinder waren jetzt plötzlich eine verschwindende Minderheit.

Hier ein Foto von internierten Kindern der oberen Klasse:

In den Gebäuden, in denen die kanadisch-japanischen Familien untergebracht wurden, gab es kein fliessendes Warmwasser, keine Elektrizität und keine Privatsphäre.

Bis zu zwanzig Familien mussten sich in eine Küche und eine Toilette teilen. Nur in wenigen Gebäuden stand ein Gemeinschaftsbad zur Verfügung. Die Eltern liessen ihre Kinder nicht merken, wie sehr sie die Ungerechtigkeit der Deportation erbitterte. Sie unterstützten sie, so gut sie konnten, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

In einer Handelsklasse wurden interessierte Mädchen an der Schreibmaschine ausgebildet und im Spital als Schwesternhilfen.

Meinen nächsten Beitrag werde ich unter dem Titel: „Greenwood öffnet sein Herz“ zusammenstellen können.

Ein trauriges Kapitel der kanadischen Geschichte

Wer in Greenwood auf der Durchfahrt nur einen kurzen Zwischenhalt macht…

… ahnt nicht, dass er im Museum Einblick in eines der traurigsten Kapitel der kanadischen Geschichte nehmen könnte.

Schon in den Jahrzehnten vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs gab es in British Columbia Politiker und rassistische Gruppierungen, die den hart arbeitenden Kanadiern japanischer Abstammung den wirtschaftlichen Erfolg missgönnten. Nachdem Kanada als Reaktion auf die Bombardierung von Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 dem Kaiserreich Japan den Krieg erklärt hatte, forderten die rassistischen Kreise in B.C. die Regierung in Ottawa auf, mit geeigneten Massnahmen zu verhindern, dass dieser Bevölkerungsteil (etwa 22’000 Personen) zum Schaden Kanadas mit dem Feind zusammenarbeiten könnte.

Das Foto zeigt die Ankunft von kanadisch-japanischen Deportierten in Greenwood. Am 27. Februar 1942 hatte die kanadische Regierung angeordnet, dass alle Kanadierinnen und Kanadier japanischer Abstammung, die an der Westküste von B.C. lebten, etwa 160 Kilometer landeinwärts deportiert und dort in Internierungslagern festgehalten wurden. All ihr Besitz, Fischerboote inklusive, wurde beschlagnahmt. Zuerst wurden die Männer in Strassenbau-Lagern in British Columbia, Alberta und Ontario eingesetzt. Wer gegen die Trennung von der Familie protestierte, landete in einem Gefängnislager für Kriegsgefangene in Ontario. Das Versprechen, den beschlagnahmten Besitz nach dem Krieg an die rechtmässigen Besitzer zurückzugeben, wurde nicht eingehalten. 1943 verkaufte die zuständige Behörde alles, um so die Internierung zu finanzieren. Nach Kriegsende, so forderte dann zum Beispiel am 19. Januar 1945 der Handelsausschuss von Kelowna im Okanagan Valley, seien alle als Kanadier geborenen Japanerinnen und Japaner nach Japan auszuweisen.

Begründet wurde die Forderung u.a. damit, dass diese nicht zu assimilieren seien und sich so nie am Aufbau von Kanadas Zukunft beteiligen würden. Zum Glück sei es noch nicht zu Mischehen gekommen, aber Kanada wolle da die Probleme verhindern, die aus anderen Teilen der Welt bekannt seien.

In Greenwood 3

Das Wahrzeichen der City of Greenwood ist der Schornstein des ehemaligen Schmelzofens.

Entworfen, gebaut und geleitet wurde die Anlage vom Bergbauspezialisten Paul Johnson. Neben Johnson ist auf dem Foto ein Stück Schlacke aus der noch heute vor dem inzwischen zerfallenen Schmelzofen liegenden Deponie zu sehen.

Johnson wurde 1857 in Lund, Schweden, geboren. Er liess sich an der Bergbau-Schule in Stockholm ausbilden,  plante und baute dann Erzschmelzwerke in Schweden, Argentinien, Mexiko und den USA. 1899 kam er nach Greenwood. 1901 nahm hier unter seiner Führung die BC Copper Co. den Betrieb auf. Marianne und ich beschlossen, uns den Schornstein aus der Nähe anzuschauen.

Im „Smelter“ von Greenwood wurden in zwei Jahren 258’495 Tonnen Erz verarbeitet. Dabei wurden 8’875 Tonnen Kupfer, Silber und Gold im Wert von damals zwei Millionen Dollar gewonnen. Im März 1903 verliess Johnson Greenwood, um in Hadley, Alaska, eine Schmelzanlage aufzubauen. Später kehrte er nach Schweden zurück, wo er 1923 starb.

Vom zerfallenen Gemäuer des Schmelzofens aus machten wir uns mit Erfolg auf die Suche nach einer weiter oben gelegenen Kupfermine.

In einiger Entfernung von der einstigen Hauptabbaustelle stiessen wir auf kupferhaltige Blöcke.

Das oxidierte Metall macht diesen Block farblich besonders attraktiv.

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In seiner Blütezeit bekam das Städtchen Greenwood das Recht, sich „City of Greenwood“ zu nennen. Damit wurde es Kanada’s kleinste „City“.

Neben der stolzen City Hall erinnert ein Zenotaph an die jungen Männer aus Greenwood, die in den beiden Weltkriegen, 1953 in Korea, 2002 in Afganistan und seit 1947 als UN-Peacekeepers ihr Leben verloren. Kinder haben am Rememberence Day symbolische Mohnblumen auf Steine gemalt und zum Denkmal gelegt.

Der Spaziergang führt uns von hier zum Feuerwehrgebäude…

… und von dort zur 1897 gebauten Sacred Heart Church.

Die Teddybären, die Puppe und die Kinderschuhe erinnern an die First Nations-Kinder, die weit weg von ihren Eltern in den kirchlich geführten Residential Schools starben.

Im Weitergehen schauen wir ins Schaufenster eines Antiquitätenladens.

Die ausgestellten Damenhüte und das Kleid würden gut zu einer Party im herrschaftlichen Haus passen, das wir später entdecken.

Nicht weit davon sollte ein kleines Haus dringend renoviert werden.

Im Städtchen (sorry: in der City) weist ein Plakat darauf hin, dass das Wasser von Greenwood 2012 an einem internationalen Wettbewerb zum besten Trinkwasser der Welt erklärt wurde.

Wenn Unterhaltsarbeiten am Reservoir nötig werden, muss allerdings der Welt bestes Trinkwasser…

…vorsichtshalber sogar abgekocht werden, wenn man es zum Zähneputzen oder Händewaschen brauchen will.

In Greenwood 1

Nachdem wir uns in Greenwood in unserer Motel-Unterkunft eingerichtet hatten…

…fuhren wir ans andere Ende des Städtchens zurück. Unsere Nichte Clea hatte uns die Deadwood Junction Cafeteria  empfohlen.

Das „Empfangskomitee“ wirkte freundlich, und ebenso freundlich, wenn auch weniger gespenstisch, war das Cafeteria-Personal. Wir fühlten uns dort sofort wohl.

Anschliessend machten wir einen ersten Spaziergang durchs Städtchen.

Im Saloon Inn würden wir am Abend gut zubereitete „Fish and Chips“ essen. Ein handkoloriertes Foto zeigt, wie sich die Strasse einst präsentierte.

Neben dem Museum steht ein in Bronze erstarrter Minenarbeiter.

Während der Zeit, in der die Kupfermine florierte, war im Städtchen viel Betrieb.

In meinem nächsten Beitrag werde ich den Spaziergang durch Greenwood fortsetzen.

Unterwegs nach Greenwood

Nach Vorspann eins und zwei wende ich mich jetzt unserer Fahrt zum alten Minenstädtchen Greenwood zu. Wir waren bei schönstem Oktoberwetter dorthin unterwegs. Erster Halt war das einstige Bahn- und Hotelstädtchen Midway.

Weil in der Nähe mehrere Minen erfolgreich abgebaut wurden, sah man für Midway eine vielversprechende Zukunft voraus. Nachdem die Columbia and Western Railway 1900 Midway erreicht hatte, wurden hier neun Hotels gebaut. Das Midway Hotel brannte schon im gleichen Jahr ab, wurde aber von seinem Besitzer Charles Thomet sofort wieder aufgebaut. Thomet starb auf tragische Weise. Er wurde 1908 von einem Banditen erschossen, der über die nahe Grenze in die USA entkam.

Hier das renovierte und als Museum eingerichtete Bahnhofgebäude:

Midway Station wurde auch von den Zügen der Canadian Pacific Railway bedient.

Wir begeben uns zum Billettschalter…

… und sehen uns die Werbung der Canadian Pacific an.

Erstaunlich, dass diese Eisenbahngesellschaft 1893 von Toronto aus für $ 610 sogar eine Reise um die Welt anbieten konnte.

Besonders bequem sind die Holzbänke im Triebwagen nicht. Es handelt sich wohl um die billigsten Plätze. Gut ist die Aussicht von dieser erhöhten Bank aus:

Weil wir unterwegs zum Minenstädtchen Greenwood sind…

… sehen wir uns im Museum genau an, wie die „Prospectors“  bei ihrer Suche nach Bodenschätzen ausgerüstet waren.

Unterwegs – zweiter Vorspann

Seit Anfang Oktober können wir im Okanagan River Sockeye-Lachse beobachten. Sie schwimmen dieses Jahr in erfreulich grosser Zahl flussaufwärts, hatten mehrere Jahre im Pazifik verbracht, bevor sie sich auf ihre lange Reise zu den seichten Stellen etwas nördlich von Oliver begaben. Hier legen jetzt die Weibchen ihre Eier und die Männer befruchten sie.

Unterwegs hat sich die Körperfarbe der Fische von einem metallischen Blau-Grün in ein leuchtendes Rot verwandelt. Nachdem die Weibchen ihre Eier gelegt und die Männchen sie befruchtet haben, sterben die Fische.

Von den ungefähr 2000 Eiern, die ein Weibchen legt, werden nur etwa zwei Fische den Weg in den Pazifik und Jahre später von dort wieder zurück zu den Laichstellen finden.

Am 18. Oktober kamen Marianne und ich auf einem Spaziergang am Fluss zu einer kleinen Bucht, in der Mitglieder der Osoyoos Indian Band tote Lachse ans Ufer zogen und untersuchten. Sie erklärten uns ihre Arbeit und erlaubten mir, sie dabei für meinen Blog zu fotografieren.

Mit einem speziellen Gerät kann festgestellt werden, ob ein Fisch auf seiner langen Reise  einmal mit einem Chip markiert wurde.

Geschlecht, Grösse und Gewicht werden in eine Liste eingetragen. Anhand des herausgelösten „Ohrknöchelchens“ kann dann im Labor das Alter der Fische bestimmt werden.

Die untersuchten Fische werden halbiert in den Fluss zurück geworfen. So werde sie nicht ein zweites Mal zur Untersuchung ans Ufer gezogen.

Etwas weiter flussaufwärts entdecken wir einen Weisskopfadler.

Er wartet darauf, sich ungestört bedienen zu können.

Unterwegs- erster Vorspann

Etwas voreilig kündigte ich in meinem vorderen Beitrag Berichte über unsere Fahrt zum alten Minenstädtchen Greenwood an. Ich schiebe die „Abreise“ mit einem ersten und einem zweiten Vorspann noch etwas hinaus. Wesentlich länger als wir nach Greenwood unterwegs waren, brauchte nämlich ein Paket aus der Schweiz, um schliesslich doch noch bei uns anzukommen. Freunde hatten am 3. Dezember 2021 in der Schweiz im Hinblick auf Weihnachten für uns drei Schokoladetafeln abgeschickt. Marianne fand sie am 17. Oktober in unserem Postfach.

Ungewöhnlich war auch der Zustand des Pakets.

Marianne rief im Post Office in Oliver an, teilte mit, dass offenbar eine Maus die Schokolade entdeckt und angeknabbert hatte.

Das könne nicht in ihrem Postbüro geschehen sei, bekam Marianne zur Antwort. Man habe nämlich überall Mäusefallen aufgestellt.

Aber vielleicht hatte es sich ja um eine besonders intelligente Maus gehandelt. Wir untersuchten die drei Schokoladetafeln genauer…

… und fanden den Beweis für die Intelligenz des Nagetierchens. Auf der einen Tafel stand: „Mindestens haltbar bis 31. 03. 22“, auf der zweiten „Mindestens haltbar bis 10. 11. 22“. Die Maus war auf Nummer sicher gegangen und hatte die dritte Tafel mit dem Aufdruck „Mindestens haltbar bis 31. 12. 22“ gewählt.

Wo das Paket so lange liegen geblieben war, konnte Marianne im Postbüro nicht in Erfahrung bringen. Das könne nur von der Aufgabestelle in der Schweiz aus abgeklärt werden.

Wir verzichteten auf weitere Nachforschungen. So wichtig ist es ja nicht, zu wissen, ob es sich um die Zähnespuren einer schweizerischen oder einer kanadischen Maus handelt.

Schutz vor naschhaften Bären

Marianne brachte der neuen Besitzerin der Fairview Cellars das Programm unserer Concert Society, in der Hoffnung, auch sie als Sponsorin zu gewinnen. Auf der Rückfahrt entdeckten wir von der Strasse aus mehrere Bienenkästen.

Ich stieg aus, um sie zu fotografieren. Sie waren mit elektrisch geladenen Drähten vor naschhaften Bären geschützt.

Ich schickte mich an, eine zweite Aufnahme zu machen, als Marianne zu hupen begann. Ob sie mich wohl auf einen Weisskopfadler aufmerksam machen wollte? Ich sah zum Himmel hinauf, konnte nichts entdecken. Marianne hupte noch intensiver und ich kehrte zum Auto zurück. „Ein Bär, ein Bär!“, rief sie mir durchs offene Fenster zu. „Er ist im Gebüsch dort verschwunden. Steig ein!“ „Morgen“, schlug ich im Auto vor, „könnten wir ja bei der alten Fairview town site einen Spaziergang machen und von dort mit dem Auto noch einmal zu den Bienenkästen fahren. Ich werde dann auf dein Hupen hin sofort reagieren.“

Marianne musste am folgenden Tag keinen Bären verscheuchen und ich konnte in aller Ruhe ein paar zusätzliche Fotos machen.

Die schützenden Drähte waren an Solarzellen angeschlossen.

Dass der Geruch der Honigwaben den Bären in der Zwischenzeit –  offensichtlich nach einem Rebberg-Besuch – wieder angelockt hatte, bewies diese „Visitenkarte“.

Weniger dauerhaft waren die Bärenspuren…

… und die Waschbärenspuren, die vor drei Tagen zum ebenfalls mit elektrisch geladenen Drähten geschützten Weinberg unserer benachbarten Verwandten führten. Sie sind inzwischen schon wieder verwischt.

Als Überleitung zu meinen nächsten Beiträgen unter dem Titel „Unterwegs“ schliesse ich hier ein Foto an, das ich auf dem Weg nach dem alten Minenstädtchen Greenwood in der Nähe des Dörfchens Bridesville aufnahm.

In diesem „Bienenhaus“ brachte Ray, von dem wir unseren Honig beziehen, bis vor drei Jahren mehrere Bienenkästen unter. Die Kirchenfenster verschloss er jeweils bärensicher mit Brettern.

Festival of the Grape 2022

Rebbau und Weinproduktion verdrängen im Süden des Okanagan Valley immer mehr die Fruchtbäume und den Anbau von Gemüse. Die neuen, aus Frankreich importierten Eichenfässer nahm ich vor ein paar Tagen bei den etwa zehn Autominuten von uns entfernten Fairview Cellars auf.

Wegen Covid-19 hatte in den vergangenen beiden Jahren das traditionelle Festival of the Grape in Oliver nicht stattfinden können. Am 1. Oktober hätte das Wetter für die Eröffnung des 25. Festivals nicht schöner sein können.

In den offenen Zelten wurden die Weine von 33 Wineries zur Degustation angeboten. Im Eintrittspreis war, zusammen mit sechs Tickets, ein Glas inbegriffen. Wer mehr als sechs Weine degustieren wollte, konnte zusätzliche Tickets kaufen.

Eine besondere Attraktion war auch dieses Jahr das „Traubensaft-Wettstampfen“, an dem sich mehrere Teams in origineller Aufmachung beteiligten. Nicht auf meinem Foto zu sehen sind die „Babushka Queens“. Sie waren bereits ausgeschieden. Dem Reporter der Lokalzeitung erklärten sie lachend, sie seien seit 25 Jahren dabei, ohne je gewonnen zu haben.

Dass die  „Grape Stomp Competition“ ein Publikumsliebling ist, zeigt die nächste Aufnahme.

Jeweils gleichzeitig mit dem FOG (Festival of the Grape) findet im Community Centre eine Kunstausstellung (Fall Art Show and Sale) statt. Die Abkürzung FASS ergibt nur auf Deutsch einen Bezug zum Wein.

Die RipOff-Artists, die sich für ihre gemeinsame Sommerwoche im Quail’s Nest Arts Centre von Picassos Ziegen hatten inspirieren lassen, waren eingeladen worden, ihre dort entstandenen Arbeiten auf der Bühne zu präsentieren.

In der FASS-Ausstellung war ich mit zwei Bildern vertreten. Titel der grösseren Malerei: „Which Way is Up or Down?“, Titel der kleineren: „Colours of the Four Seasons“.

Nach unseren Einsätzen (ich als Auskunftsperson bei den RipOff Artists auf der Bühne, Marianne als Aufsicht in der Ausstellung) hatten wir die Gelegenheit, ein paar Weine zu degustieren…

… bevor wir uns am Abbau der Ausstellung beteiligten.