Ein Saurier bewacht den Eingang zum Royal
Tyrrell Museum
An den eindrücklichen Rekonstruktionen in der Eingangshalle vorbei führt der
Museumsrundgang auch zu mehreren vollständigen Saurierskeletten.
Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt.
Für das Publikum sichtbar wird während Jahren
an einzelnen Fundstücken minutiöse „Knochenarbeit“ geleistet.
Sorgfältig werden die fossilisierten Knochen aus dem Stein gelöst, konserviert
und erforscht.
Für die so immer noch wachsende Sammlung
werden zusätzliche Aufbewahrungs- und Ausstellungsräume gebaut.
Und diese Tafel gibt etwas Lebensweisheit mit
auf den Weg:
Statt Gartenzwerge – auf dem Foto ist ein
Exemplar in einer meiner „Archaeological Sites“-Installationen zu
sehen – gibt es in Drumheller Gartensaurier zu bewundern.
Das Exemplar mit „Rückenflammen“
ist besonders imposant:
Und Gartensaurier Nummer drei wirkt richtig
munter:
Nachdem wir Calgary erkundet hatten, fuhren
wir mit Tochter Priska und ihrem Partner Ronny nach Drumheller. Auf dem Weg
machten wir Halt am Horseshoe Canyon, wo – wie an anderen Stellen in der
Umgebung von Drumheller – viele Fossilien
gefunden wurden und noch immer gefunden werden.
Die fossilen Farnblättchen, die wir etwa
zwanzig Autominuten von unserem Haus entfernt sammeln können, nehmen sich neben
den Drumheller-Fundstücken höchst bescheiden aus.
Vom Tourismus her lebt Drumheller von den
Sauriern.
Auch wenn diese „faszinierenden
Urviecher“ (Artikel im Magazin „Der Spiegel“) nicht ganz so
gross waren wie die „Rekonstruktion“ vor dem Visitor Centre und statt
einer Treppe in ihrem Innern ein Knochengerüst hatten: Manche Saurierarten
waren wirklich sehr gross. Marianne steht hier neben den Hinterbeinknochen
eines Camarasaurus.
Um meinen Satz, Drumheller lebe touristisch
von den Sauriern, zu präzisieren: Das Städtchen lebt dank seines weltberühmten
Museums von Saurierknochen.
Bevor ich mich mit „Andere Dimensionen
2“ den Sauriern in Alberta zuwende (sie sind offenbar eines für sie
katastrophalen Klimawechsels wegen ausgestorben…), hier zwei Fotos im
Zusammenhang mit der gestrigen „Global Climate Strike“-Demonstration
vor der City Hall in Penticton. Für mein Poster fotografierte ich meine von Edvard
Munchs Bild „Der Schrei“ inspirierte Installation „Something
Went Wrong“.
Das zweite Foto zeigt mein Poster im Einsatz.
Unser kanadisch-mexikanischer Künstlerfreund Norberto hält mir seine brennende
Welt vors Gesicht.
Unsere Reise in die Nachbarprovinz Alberta
führte uns zuerst nach Calgary, wo wir unsere Nichte Raffaele mit Familie
trafen. Zusammen erkundeten wir bei minus 17 Grad Celsius die Grossstadt mit
den Augen von Menschen, die – sei es in Oliver B.C. oder in Drayton Valley,
Alberta – an den Anblick von bescheideneren Gebäuden gewöhnt sind.
Auch die öffentliche Bibliothek von Calgary setzt
da ganz andere Massstäbe.
Natürlich beeindruckte uns diese grosszügige
Architektur, was uns aber nicht daran hindert, uns in Oliver über unsere
kompetent und freundlich geführte Gemeindebibliothek zu freuen. Die Ausleihe
ist kostenlos. Die Bibliothek wird über die Steuern finanziert.
Nach unserer Reise in die Nachbarprovinz
Alberta – davon wird in den nächsten
Beiträgen die Rede sein – brachte uns die Post ein Belegexemplar des
eben in Deutschland im Heiner Labonde Verlag erschienenen Buches „Die
Nadelwälder dunkeln fort im Osten – Deutschsprachige Gedichte über Finnland und
die Finnen“. (ISBN 978-3-937507-78-1). Es enthält auch drei meiner eigenen
Finnland-Gedichte. Zusammengestellt und mit einem sachkundigen Vorwort versehen
wurde die reichhaltige, sorgfältig gestaltete Anthologie von Volker Pirsich.
Ein Lesegenuss für alle deutschsprachigen
Freundinnen und Freunde Finnlands! Bei Marianne und mir löst der Band viele
Erinnerungen an unsere Aufenthalte in Finnland aus.
Wenn ich im Wohnzimmer von meinem
Leseschaukelstuhl aufschaue, fällt mein Blick auf das Bild, das Marianne 1980
in einem mit Ästen improvisierten Rahmen webte. Es zeigt unsere Wäscheleine neben
dem alten Schulhaus des Dörfchens Vassor bei Vaasa, in dem wir damals ein Jahr
lang wohnten. Als wir dort dreizehn Jahre später ein paar Ferienwochen
verbrachten, waren die russischen Wäscheklammern aus Holz, die wir am Draht
zwischen den Kiefern zurückgelassen hatten, grau verwittert und von krausen
Flechten überwachsen.
Vor Jahren half ich als damaliges
Vorstandsmitglied der Oliver Heritage Society beim Räumen des Museumskellers
mit. Dabei stiessen wir auf vier verstaubte, von Spinnweben überzogene Sessel
aus dem 1946 erbauten Oliver Movie Theatre. Das Aufräumen inspirierte mich zu
meinem Jugendtheaterstück „Das Museumsgespenst“: Zwei Schülerinnen
der elften Klasse erleben als Aushilfen im Museum eine turbulente Zeit.
Zusammen mit dem Museumsdirektor Brian Greenwood gestalten sie eine kleine
Sonderausstellung zur Geschichte des Kinosaals von Oliver und richten die alten
Sessel als Blickfang ein.
BRIAN: Irgendwie werden wir einen Platz für
die vier alten Kinosessel finden. Oder wenigstens für zwei davon. TERRY: Sie
sind echt cool. Meine Eltern erinnern sich noch, wie aufgeregt sie waren, als
sie zum ersten Mal zusammen ins Kino gingen. MIRANDA: Vielleicht gaben sie sich
gerade in diesen Sesseln zum ersten Mal einen Kuss. Mega romantisch! BRIAN
(lacht): Wir könnten dann ein entsprechendes Schildchen anbringen.
Seit zwei Jahren sind die Sessel jetzt
wirklich Teil der ständigen Ausstellung.
Heute Abend werden wir uns mit Tochter Priska
und Partner Ronny, die bei uns zu Besuch sind, im Oliver Movie Theatre den im
Rahmen unseres „Movie Clubs“ gezeigten Film „The Farewell“ anschauen.
Wenn, wie in den vergangenen Tagen,
stürmische Herbstwinde durchs Tal brausen, ist es in unserem Arbeitszimmer
unten besonders wohnlich. Auf meinem Schreibtisch stehen für die Zehnuhr-Pause
zwei Kaffeetassen, Geschenke von Tochter Priska, und ein Espresso-Tässchen des
Theaterverlags Elgg bereit. Bei Elgg ist eben mein neues Jugendtheaterstück
„Leo und Johanna“ erschienen und in Deutschland im Heiner Labonde
Verlag die von Volker Pirsich zusammengestellte Anthologie „Die
Nadelwälder dunkeln fort im Osten – Deutschsprachige Gedichte über Finnland und
die Finnen“. Der Band enthält auch drei meiner eigenen Finnland-Gedichte.
Im Frühling wird dann der Münster Verlag in Basel mit dem Titel:
„Pflaumengestirn und Hasenpfeffer“ eine Sammlung meiner von 1968 bis
2019 geschriebenen Gedichte veröffentlichen.
Auf der Staffelei steht mein Bild „Fröhliche Flechten auf karmesinrotem Fels“, das ich Anfang Oktober in der Oliver Art Show zeigte. Dass Marianne nach einer Sommerpause wieder an ihrem Webstuhl arbeitet, macht das Zimmer zu unserem gemeinsamen Atelier für kalte Tage.
Als ich letzte Woche meinen Beitrag
„Kraftort?“ schrieb, kam mir die in den Centovalli hoch über dem
Dörfchen Bordei gelegene Alp Laghetti in den Sinn. Ich würde sie nicht als
„Kraftort“ bezeichnen, aber in der Erinnerung ist sie für mich ein
Ort mit geheimnisvoller Ausstrahlung. 1896 wurde hier in der Hütte, die längst
nur noch eine Ruine ist, die Ziegenhirtin Assunta Turri geboren. „Wie ein
Geisslein“, sagte vor Jahrzehnten Rina, die Postina von Rasa, zu mir.
Laghetti, Keller, 1988
Im Herbst 1962 fand ein Pilzsammler Assunta
tot in der Schlucht neben ihrem Maiensäss in Renalo. Ich übersetze aus einem
damals im „Giornale del Popolo“ in Lugano erschienenen Artikel:
„Eine 66-jährige Frau stirbt unter dramatischen Umständen in den Bergen.
Schon oft hatte die Vormundschaftsbehörde versucht, Assunta Turri zum Eintritt
ins Altersheim zu bewegen. Leider antwortete die Frau immer mit einem trockenen
Nein. Sie zog es vor, unter elenden Bedingungen in einer Hütte zu leben, mit
ihren Ziegen, die verwildert waren wie sie… Die Polizei hat das Unglück so
rekonstruiert: Assunta Turri verliess vor mehreren Tagen die Hütte, um ihre
verwilderten Ziegen zu suchen. Dabei glitt sie auf dem schmalen Weg aus und
stürzte 40 Meter tief in die Schlucht, wo sie zerschmettert liegen blieb.“
Assuntas Maiensäss, 1987
Wer lesen möchte, weshalb der Kontakt mit
Assunta für mich als Heranwachsenden wichtig war, findet auf dieser Website
unter „Arbeitstisch“ und „Meine mitgebrachte Kindheit“ einen
kurzen Text. Das folgende Foto zeigt meine Mutter um 1960 im Gespräch mit
Assunta, die ihre gesammelten Kastanien sortiert.
Dieses Hügelchen – ich sehe es von meinem Atelier aus –
erinnert mich an eine Wanderung im „Indian Reserve“. Buddy A. von der
Osoyoos Indian Band führte unsere Naturfreunde-Gruppe auf schmalen, kaum
sichtbaren Pfaden, die er als Jäger bestens kennt.
Als Gast kam damals auch eine deutsche
Touristin mit. Beim Anblick eines ähnlich geformten Hügelchens bemerkte sie zu
mir auf Deutsch: „Das ist sicher ein indianischer Kraftort.“
„Fragen Sie doch Buddy gleich selbst“, schlug ich vor. Auf Englisch
umschrieb sie für Buddy das Wort „Kraftort“ mit „a special place loaded with spiritual
forces“. Buddy antwortete mit seinem oft mit einer guten Portion
Selbstironie gewürzten Humor: „Ich weiss nicht, ob es sich da um so etwas
handelt. Das Einzige, was ich Ihnen mit Sicherheit sagen kann, ist, dass mein Onkel
und ich uns dort einmal einen Rausch ausschliefen, bevor wir uns zu unseren
Frauen zurückwagten.“
Buddy A.
Das folgende Foto zeigt eines der kraftvollen Wildpferde, die auf dieser Wanderung plötzlich vor uns auftauchten.