Erinnerungen an Hubert 3

Während unseres Besuches durften wir in Huberts Haus wohnen. Gebaut hatte es  sein Neffe Alain nach Plänen von Tochter Manu, die eben ihr Architekturstudium abgeschlossen hatte. Hubert selbst zog während unseres Aufenthalts zu Bruder und Schwägerin.

Unter Huberts Führung erkundeten wir die nähere Umgebung.

Ganz besonders gefiel uns ein idyllisches Waschhäuschen.

Hubert fuhr uns dann in seinem neuen Citroën Picasso nach St. Antonin-Noble-Val.

Zu dritt unternahmen wir eine „Zeitreise“ zurück ins Mittelalter.

Über einem Fenster entdeckten wir ein Liebespaar.

Das Stadthaus von St. Antonin ist das älteste in ganz Frankreich.

Es wurde 1155 als Herrschaftshaus und Sitz des Gerichts gebaut und ist jetzt ein Museum. Unvergesslich ist auch der Blick auf die Burgruine von Penne.

Ein Besuch der Ruine war im Frühling 2010 noch nicht möglich.

Die Restaurierungsarbeiten sind dreizehn Jahre später noch immer nicht abgeschlossen.

Die Ruine kann jetzt aber von Mitte Februar bis Mitte November besucht werden.

Steinmetzen und Baufachleute arbeiten dabei in mittelalterlichen Kleidern und mit mittelalterlichen Werkzeugen.

Nachdem wir in St. Antonin so viele Eindrücke gesammelt hatten, machten wir am Aveyron unten eine erste Pause.

Vor der Rückfahrt brauchten wir etwas Stärkung.

Wir fanden sie im Städtchen in einem Bistro.

Erinnerungen an Hubert 2

Huberts Muttersprache war nicht Französisch, sondern Occitan. Bevor er 2008 in seine Heimat zurückkehrte,  schenkte er uns auch zwei in Occitan geschriebene Bücher. So präsentiert sich das erste Buch:

Ich zitiere aus dem Nachwort: Malaürosament, l’occitan se parla de mens en mens coma lenga populara espontanèa, transmesa de generacion en generacion despuèi mila ans. (Leider wird das Occitan immer weniger als spontane Umgangssprache gesprochen, wie sie seit tausend Jahren von Generation zu Generation weitergegeben wurde.)

Vor seiner Auswanderung besass Hubert in Südfrankreich in der Nähe des Städtchens Caussade eine Schafherde. Sein Vater Emile hatte das Städtchen auf einem Bild festgehalten, das jetzt bei uns hängt. Hubert wollte vor der Rückreise in seine alte Heimat unbedingt, dass die beiden von seinem Vater gemalten Bilder bei uns im Okanagan Valley blieben.

In Kanada zog Hubert nach British Columbia, wo er auf dem Rogers Pass für Unterhaltsarbeiten an den Gebäuden zuständig war. Nach seiner Pensionierung liess er sich dann in Oliver nieder.

Das zweite Bild, das Hubert uns schenkte, zeigt eine Schafherde vor dem Haus, in dem er einst lebte.

Wir blieben mit Hubert per Luftpost in Kontakt.

Im Frühling 2010 besuchten wir ihn, seinen Bruder und dessen Familie.

Hubert führte uns zum Haus, in dem er gelebt hatte.

Es sah immer noch so aus, wie es sein Vater gemalt hatte.

Erinnerungen an Hubert 1

Bevor unser Freund Hubert Robertie mit einundachzig Jahren 2009 sein Haus in Oliver verkaufte und nach Südfrankreich zurückkehrte, lud er uns noch einmal zu sich ein. Mir machte er einen Kaffee und Marianne einen Tee. Selber trank er, wie immer, nur heisses Wasser.

Von einem Parkplatz an der Hauptstrasse aus gesehen wird das Haus jetzt fast ganz von einer Doppelgarage verdeckt. Sie steht seit Jahren dort, wo Hubert früher seinen Gemüsegarten hatte.

Von einer Nebenstrasse aus ist die Sicht auf das Haus frei. An der Hauswand rechts zog Hubert griechische Bergfeigen-Bäumchen. Dank der sonnigen Lage und der zurückgestrahlten Wärme wurden die kleinen Früchte reif.

Hubert führte uns durch alle Zimmer, sagte, er würde uns gern etwas als Erinnerung  schenken. Wir dürften auslesen was immer wir wollten. Wir wählten den Schaukelstuhl und zwei kleine Bilder, die sein Vater gemalt hatte.

Die beiden Bilder werde ich in einem nächsten Beitrag zeigen.

Kennen gelernt hatten wir Hubert auf Wanderungen mit den Oliver und Osoyoos Naturfreunden. Oft waren wir mit ihm in der Umgebung von Oliver auch zu dritt unterwegs.

Wir hatten die nach Regenfällen jeweils für längere Zeit mit Wasser gefüllte merkwürdige Vertiefung im Felsen zum „Lake Hubert“ erklärt.

Ob es sich wohl um ein von Menschen in den Fels gehauenes Becken handelt?

Verspielte Farben und geheimnisvolle Objekte

Im vergangenen Herbst fragte mich der „Penticton and District Arts Council“ an, ob ich ein Konzept für eine Einzelausstellung im „Leir House Cultural Centre“ einreichen möchte. Ich sagte mit Freude zu, und mein Vorschlag fand beim Vorstand Anklang. Vor zwei Wochen unterschrieb ich den Vertrag. Die Ausstellung wird vom 15. November 2023 bis zum 13. Januar 2024 zu sehen sein.

Zur Beschreibung meines Projekts gehörten auch Fotos von Malereien und Objekten, die einen Teil der Ausstellung bilden werden. Hier drei Beispiele für meine „Playful Colours“. Ich setze jeweils eine deutsche Fassung des Titels unter die Bilder und Objekte.

Sieben verspielte Farben.

Erinnerungen an Kuba.

Empathische Farben.

Bei meinen Objekten und Installationen geht es mir, ewas pathetisch ausgedrückt, um eine „Veredelung durch Phantasie“. Dabei lasse ich mich von weggeworfenen oder nutzlos gewordenen Gegenständen und Materialien inspirieren.

Ein Geschichtenfänger.

Stellen Sie sich Ihr eigenes Theaterstück vor!

Es war ein heisser Okanagan Sommertag.

Erinnerungen an ein altes Klavier.

An meinem Arbeitstisch im gut heizbaren Keller-Zimmer lasse ich jetzt weitere Farben miteinander spielen.

Das Atelier bleibt meist ungeheizt. Hier stelle ich, warm angezogen, vorläufig nur kleinere Objekte zusammen.

Wer war das Kind, das damit spielte?

Erfinden Sie dazu doch einen Titel!

Kultur-Ausflug

Nachdem wir uns 1996 als „landed immigrants“ im Okanagan Valley niedergelassen hatten, telefonierte ich einem Informationsbüro in Kelowna. Auf meine Frage hin, was hier im Tal in Sachen Kultur so laufe, fragte eine freundliche Männerstimme zurück: „You mean agriculture?“ „No: culture.“ „Culture? That’s a good one!“ Heute würde mich wohl die gleiche Stelle stolz über das vielfältige kulturelle Angebot informieren, über die vielen Konzerte, Theaterproduktionen und Kunstausstellungen.

Am vergangenen Samstag besuchten wir in Penticton ein Konzert des Okanagan Symphonie Orchesters. Die Leiterin und Dirigentin Rosemary Thomson führte durch ein spannendes Programm, bei dem Edvard Griegs „Peer Gynt Suite“ eingebettet war in eine Folge zeitgenössischer Kompositionen, zu denen ich hier auch Albert Roussels „Le festin de l’araignée“ zähle.

Star des Abends war die Komponistin und Cellistin Cris Derksen.

Von der Seite ihres Vaters her ist sie Cree. Ihre Mutter stammt aus einer streng mennonitischen Siedlerfamilie.

Als wir das Cleland Community Theatre verliessen, war der Parkplatz verschneit. Zum Glück hatten wir vorsorglicherweise in der Nähe ein Motel-Zimmer reserviert. Als wir am Morgen aus dem Motel traten, stand unser Auto frisch verschneit unter einem strahlend blauen Himmel, der zu einem Spaziergang auf dem „Lungolago“ einlud. (Alle Fotos: Marianne Hutterli)

Der Uferweg führt vom Sicamous-Raddampfer – heute ein Museum – zur Penticton Art Gallery. Er ist von Skulpturen gesäumt. Die Freilicht-Ausstellung wurde im Mai 2022 eingerichtet und wird noch bis Ende April zu sehen sein.

Nicht nur dieser sehnsüchtig auf den See hinausblickende Hund wurde verschneit, …

…sondern auch die am Ufer spielenden Kinder, die, in Bronze gegossen,  seit Jahren, ihren festen Spielplatz haben.

Als wir etwas später noch einmal einen Blick auf sie warfen, hatte die Sonne sie vom Schnee befreit.

Phoenix 2

Seit auf dem Friedhof 1919 die letzten Toten beerdigt wurden, sind zwischen den Gräbern Bäume gewachsen.

Auf mehreren Gräbern wachsen Büsche.

Kusti Wilson starb ein Jahr bevor die Mine geschlossen wurde.

Angelo Catterini stammte aus Italien.

Der in der Schweiz geborene Joseph Vezzetti kam als Neunzehnjähriger in einem Minenunglück ums Leben.

Besonders berührend sind die Kindergräber.

Stina Christensen starb vierjährig.

Baby Turano wurde nur 13 Monate alt.

Baby Dawson lebte nur einen Monat.

Bevor wir den Friedhof verlassen, werfen wir noch einen Blick auf ein namenloses Kindergrab.

Es liegt jetzt sicher, wie alle anderen Gräber, unter einer dicken Schneeschicht.

Phoenix

Wie angenehm, sich im Januar an einem nebelverhangenen Tag die sonnigen Oktobertage in Erinnerung zu rufen, die wir im ehemaligen Minenstädtchen Greenwood geniessen konnten! Mitten im Städtchen zeigt eine Skulptur den sagenhaften Vogel Phönix, der sich alle 500 Jahre selbst verbrennt und dann neu aus der Asche aufsteigt.

Das Geisterstädtchen Phoenix befindet sich elf Kilometer östlich von Greenwood auf etwa 1540 Meter Höhe. Der amerikanische Erzsucher Bob Denzler hatte hier 1891 ein reiches Kupfervorkommen entdeckt. Die „Granby Consolidated Mining, Smelting, and Power Company“ begann wenige Jahre später, das Kupfer abzubauen. Bis zur Schliessung der Mine am 14. Juni 1919 wurden hier 13’678’901 Tonnen Kupfererz gewonnen.

Es braucht viel Fantasie, sich hier ein Minenstädtchen mit 1000 Bewohnern vorzustellen. Ein altes Foto kann helfen.

Phoenix besass bald einmal ein Opernhaus, eine „City Hall“, zwanzig Hotels und eine Brauerei. Die Eishockey-Mannschaft von Phoenix gewann die Provinzmeisterschaften, meldete sich aber zu spät für den Stanley Cup an.  Richter Willie Williams, der von 1897 bis 1913 im Amt war, sagte von sich lachend, er sei der höchste Richter am höchsten Gerichtshof in der höchsten Stadt Kanadas. Fotos aus dieser Zeit zeigen, wie anstrengend, ungesund und gefährlich die Arbeit in den Stollen war.

An Klaustrophobie durften die Minenarbeiter nicht leiden.

In mehrstöckigen Stollen war die Einsturzgefahr besonders gross.

In  einer Zusammenstellung der in Phoenix Gestorbenen stehen folgende Zahlen: Erwachsene: 51 bei Minenunfällen umgekommen, 36 eines natürlichen Todes gestorben, 8 an Grippe, 5 an Typhus, 3 bei Bahntransporten oder beim Holzfällen, unbekannte Todesursache 2, 1 Mordfall, 1 Selbstmord. 27 Kleinkinder starben, bevor sie zweijährig waren, Todesfälle von Kindern zwischen zwei und sechzehn Jahren sind 10 verzeichnet.

Im nächsten Beitrag besuchen wir den Friedhof von Phoenix.

Winter

Früh fiel bei uns in der Nacht vom 6. auf den 7. November der erste Schnee: eindrückliche 50 cm.

Auch was das Internet betraf, waren wir von der Aussenwelt abgeschnitten. Zum Glück halfen unsere Nichte Clea und ihr Partner Keith, unsere Zufahrt freizuschaufeln und die „Satellitenschüssel“ vom Schnee zu befreien.

Am 8. November fiel noch mehr Schnee.

Auf dem Driveway setzte ich am 9. November unsere Schneeschleuder ein.

Kurz bevor ich bei unserem Haus einen Wendeplatz vom Schnee befreien konnte, versagte die Schleuder ihren Dienst. Freund John stellte später fest, dass ein im Schnee versteckter Stein den Schleudermechanismus blockiert hatte.

Bevor Tauwetter meinen Gartenbären frei schmolz, hatte er an einem Morgen minus 26 Grad Celsius ertragen müssen. In einem etwas tiefer gelegenen Teil im benachbarte Rebberg von Hans und Christine sank die Temperatur auf minus 30 Grad Celsius. Leider musste Hans an den Foch-Rebstöcken Schäden feststellen.

Das Tauwetter hatte den Schnee vom Dach unseres Schopfs abrutschen lassen. Ein neuer Kälteeinbruch „konservierte“ den Schneevorhang. Während mehrer Tage bewegten sich die Tagestemperaturen zwischen minus 10 und minus 18 Grad Celsius. Dann umgab uns plötzlich dichter Nebel. Blick von der Porch …

… und vom Wohnzimmer aus zum Atelier.

Beide Fotos nahm ich am 31. Dezember auf.

Tauwetter und Kälteeinbrüche verwandelten unseren Driveway in einen eisig-glatten „Walkway“

Trotz Vierrad-Antrieb und Spikes schafft unser Auto es im Augenblick nicht, uns zu unserem Haus zu bringen.

Wir müssen es vorläufig am Pampas Grass Way unten parkieren.

Greenwood öffnet sein Herz

Die kanadisch-japanischen Internierten verwandelten das verschlafene ehemalige Minenstädtchen Greenwood in eine aufstrebende Gemeinde. Bildung, Kultur und Sport wurden wichtige Bestandteile des täglichen Lebens.

Die Labour-Day-Feier war hier noch nie so abwechslungsreich gewesen. Kanadisch-japanische Mütter in traditionellen Kleidern nahmen, gefolgt von ihren Kindern, am Umzug teil.

Junge Japanerinnen verliehen dem Festwagen ein elegantes Gepräge.

Und was den Sport betrifft: Schon bald gab es in Greenwood eine junge kanadisch-japanische Eishockey-Mannschaft.

Als nach dem Krieg kanadische Städte die Deportation der Internierten nach Japan forderten, stand Greenwood zum kanadisch-japanischen Bevölkerungsteil , der sich in all den Jahren gut eingelebt hatte und hier schliesslich ein neues Zuhause fand.

Viele haben auf dem Friedhof von Greenwood ihre letzte Ruhe gefunden. Besonders berührend ist das Grab der kleinen Naomi, die am 14. September 1946 geboren wurde und schon am 5. Januar 1947 starb.

Juneichi Mukuda war zehnjährig, als er 1942 mit seinen Eltern nach Greenwood kam. Er wurde hier 2021 beerdigt…

…im gleichen Jahr wie der 1957 in Greenwood geborene  Jeffery Yoshio Yamamura.

Bevor wir Greenwood verlassen, spazieren wir noch zum Nikkei Legacy Park.

Zu einem klassisch angelegten japanischen Garten gehört ein rotes Brücklein, das über ein trockenes Bachbett führt.

Ein schönes Symbol für das multikulturelle Zusammenleben in Greenwood, der kleinsten City von Kanada.