Winter

Früh fiel bei uns in der Nacht vom 6. auf den 7. November der erste Schnee: eindrückliche 50 cm.

Auch was das Internet betraf, waren wir von der Aussenwelt abgeschnitten. Zum Glück halfen unsere Nichte Clea und ihr Partner Keith, unsere Zufahrt freizuschaufeln und die „Satellitenschüssel“ vom Schnee zu befreien.

Am 8. November fiel noch mehr Schnee.

Auf dem Driveway setzte ich am 9. November unsere Schneeschleuder ein.

Kurz bevor ich bei unserem Haus einen Wendeplatz vom Schnee befreien konnte, versagte die Schleuder ihren Dienst. Freund John stellte später fest, dass ein im Schnee versteckter Stein den Schleudermechanismus blockiert hatte.

Bevor Tauwetter meinen Gartenbären frei schmolz, hatte er an einem Morgen minus 26 Grad Celsius ertragen müssen. In einem etwas tiefer gelegenen Teil im benachbarte Rebberg von Hans und Christine sank die Temperatur auf minus 30 Grad Celsius. Leider musste Hans an den Foch-Rebstöcken Schäden feststellen.

Das Tauwetter hatte den Schnee vom Dach unseres Schopfs abrutschen lassen. Ein neuer Kälteeinbruch „konservierte“ den Schneevorhang. Während mehrer Tage bewegten sich die Tagestemperaturen zwischen minus 10 und minus 18 Grad Celsius. Dann umgab uns plötzlich dichter Nebel. Blick von der Porch …

… und vom Wohnzimmer aus zum Atelier.

Beide Fotos nahm ich am 31. Dezember auf.

Tauwetter und Kälteeinbrüche verwandelten unseren Driveway in einen eisig-glatten „Walkway“

Trotz Vierrad-Antrieb und Spikes schafft unser Auto es im Augenblick nicht, uns zu unserem Haus zu bringen.

Wir müssen es vorläufig am Pampas Grass Way unten parkieren.

Greenwood öffnet sein Herz

Die kanadisch-japanischen Internierten verwandelten das verschlafene ehemalige Minenstädtchen Greenwood in eine aufstrebende Gemeinde. Bildung, Kultur und Sport wurden wichtige Bestandteile des täglichen Lebens.

Die Labour-Day-Feier war hier noch nie so abwechslungsreich gewesen. Kanadisch-japanische Mütter in traditionellen Kleidern nahmen, gefolgt von ihren Kindern, am Umzug teil.

Junge Japanerinnen verliehen dem Festwagen ein elegantes Gepräge.

Und was den Sport betrifft: Schon bald gab es in Greenwood eine junge kanadisch-japanische Eishockey-Mannschaft.

Als nach dem Krieg kanadische Städte die Deportation der Internierten nach Japan forderten, stand Greenwood zum kanadisch-japanischen Bevölkerungsteil , der sich in all den Jahren gut eingelebt hatte und hier schliesslich ein neues Zuhause fand.

Viele haben auf dem Friedhof von Greenwood ihre letzte Ruhe gefunden. Besonders berührend ist das Grab der kleinen Naomi, die am 14. September 1946 geboren wurde und schon am 5. Januar 1947 starb.

Juneichi Mukuda war zehnjährig, als er 1942 mit seinen Eltern nach Greenwood kam. Er wurde hier 2021 beerdigt…

…im gleichen Jahr wie der 1957 in Greenwood geborene  Jeffery Yoshio Yamamura.

Bevor wir Greenwood verlassen, spazieren wir noch zum Nikkei Legacy Park.

Zu einem klassisch angelegten japanischen Garten gehört ein rotes Brücklein, das über ein trockenes Bachbett führt.

Ein schönes Symbol für das multikulturelle Zusammenleben in Greenwood, der kleinsten City von Kanada.

Ein trauriges Kapitel der kanadischen Geschichte 2

Greenwood war eines der acht Internierungszentren, in denen die kanadisch-japanischen Deportierten festgehalten wurden. Die einheimische Bevölkerung nahm die vielen Neuankömmlinge mit gemischten Gefühlen auf. Wie würde sich das vom Staat verordnete Zusammenleben gestalten lassen?

Die Internierten mussten Identifikationsnummern auf sich tragen. Der Besitz von Autos, Radios und Kameras war ihnen verboten. Für ihre medizinische und zahnärztliche Betreuung wurde gesorgt. Die Nonnen der Sacred Heart Church begannen sofort, die vielen Kinder zu unterrichten. Die einheimischen Schulkinder waren jetzt plötzlich eine verschwindende Minderheit.

Hier ein Foto von internierten Kindern der oberen Klasse:

In den Gebäuden, in denen die kanadisch-japanischen Familien untergebracht wurden, gab es kein fliessendes Warmwasser, keine Elektrizität und keine Privatsphäre.

Bis zu zwanzig Familien mussten sich in eine Küche und eine Toilette teilen. Nur in wenigen Gebäuden stand ein Gemeinschaftsbad zur Verfügung. Die Eltern liessen ihre Kinder nicht merken, wie sehr sie die Ungerechtigkeit der Deportation erbitterte. Sie unterstützten sie, so gut sie konnten, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

In einer Handelsklasse wurden interessierte Mädchen an der Schreibmaschine ausgebildet und im Spital als Schwesternhilfen.

Meinen nächsten Beitrag werde ich unter dem Titel: „Greenwood öffnet sein Herz“ zusammenstellen können.

Ein trauriges Kapitel der kanadischen Geschichte

Wer in Greenwood auf der Durchfahrt nur einen kurzen Zwischenhalt macht…

… ahnt nicht, dass er im Museum Einblick in eines der traurigsten Kapitel der kanadischen Geschichte nehmen könnte.

Schon in den Jahrzehnten vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs gab es in British Columbia Politiker und rassistische Gruppierungen, die den hart arbeitenden Kanadiern japanischer Abstammung den wirtschaftlichen Erfolg missgönnten. Nachdem Kanada als Reaktion auf die Bombardierung von Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 dem Kaiserreich Japan den Krieg erklärt hatte, forderten die rassistischen Kreise in B.C. die Regierung in Ottawa auf, mit geeigneten Massnahmen zu verhindern, dass dieser Bevölkerungsteil (etwa 22’000 Personen) zum Schaden Kanadas mit dem Feind zusammenarbeiten könnte.

Das Foto zeigt die Ankunft von kanadisch-japanischen Deportierten in Greenwood. Am 27. Februar 1942 hatte die kanadische Regierung angeordnet, dass alle Kanadierinnen und Kanadier japanischer Abstammung, die an der Westküste von B.C. lebten, etwa 160 Kilometer landeinwärts deportiert und dort in Internierungslagern festgehalten wurden. All ihr Besitz, Fischerboote inklusive, wurde beschlagnahmt. Zuerst wurden die Männer in Strassenbau-Lagern in British Columbia, Alberta und Ontario eingesetzt. Wer gegen die Trennung von der Familie protestierte, landete in einem Gefängnislager für Kriegsgefangene in Ontario. Das Versprechen, den beschlagnahmten Besitz nach dem Krieg an die rechtmässigen Besitzer zurückzugeben, wurde nicht eingehalten. 1943 verkaufte die zuständige Behörde alles, um so die Internierung zu finanzieren. Nach Kriegsende, so forderte dann zum Beispiel am 19. Januar 1945 der Handelsausschuss von Kelowna im Okanagan Valley, seien alle als Kanadier geborenen Japanerinnen und Japaner nach Japan auszuweisen.

Begründet wurde die Forderung u.a. damit, dass diese nicht zu assimilieren seien und sich so nie am Aufbau von Kanadas Zukunft beteiligen würden. Zum Glück sei es noch nicht zu Mischehen gekommen, aber Kanada wolle da die Probleme verhindern, die aus anderen Teilen der Welt bekannt seien.

In Greenwood 3

Das Wahrzeichen der City of Greenwood ist der Schornstein des ehemaligen Schmelzofens.

Entworfen, gebaut und geleitet wurde die Anlage vom Bergbauspezialisten Paul Johnson. Neben Johnson ist auf dem Foto ein Stück Schlacke aus der noch heute vor dem inzwischen zerfallenen Schmelzofen liegenden Deponie zu sehen.

Johnson wurde 1857 in Lund, Schweden, geboren. Er liess sich an der Bergbau-Schule in Stockholm ausbilden,  plante und baute dann Erzschmelzwerke in Schweden, Argentinien, Mexiko und den USA. 1899 kam er nach Greenwood. 1901 nahm hier unter seiner Führung die BC Copper Co. den Betrieb auf. Marianne und ich beschlossen, uns den Schornstein aus der Nähe anzuschauen.

Im „Smelter“ von Greenwood wurden in zwei Jahren 258’495 Tonnen Erz verarbeitet. Dabei wurden 8’875 Tonnen Kupfer, Silber und Gold im Wert von damals zwei Millionen Dollar gewonnen. Im März 1903 verliess Johnson Greenwood, um in Hadley, Alaska, eine Schmelzanlage aufzubauen. Später kehrte er nach Schweden zurück, wo er 1923 starb.

Vom zerfallenen Gemäuer des Schmelzofens aus machten wir uns mit Erfolg auf die Suche nach einer weiter oben gelegenen Kupfermine.

In einiger Entfernung von der einstigen Hauptabbaustelle stiessen wir auf kupferhaltige Blöcke.

Das oxidierte Metall macht diesen Block farblich besonders attraktiv.

In Greenwood 2

In seiner Blütezeit bekam das Städtchen Greenwood das Recht, sich „City of Greenwood“ zu nennen. Damit wurde es Kanada’s kleinste „City“.

Neben der stolzen City Hall erinnert ein Zenotaph an die jungen Männer aus Greenwood, die in den beiden Weltkriegen, 1953 in Korea, 2002 in Afganistan und seit 1947 als UN-Peacekeepers ihr Leben verloren. Kinder haben am Rememberence Day symbolische Mohnblumen auf Steine gemalt und zum Denkmal gelegt.

Der Spaziergang führt uns von hier zum Feuerwehrgebäude…

… und von dort zur 1897 gebauten Sacred Heart Church.

Die Teddybären, die Puppe und die Kinderschuhe erinnern an die First Nations-Kinder, die weit weg von ihren Eltern in den kirchlich geführten Residential Schools starben.

Im Weitergehen schauen wir ins Schaufenster eines Antiquitätenladens.

Die ausgestellten Damenhüte und das Kleid würden gut zu einer Party im herrschaftlichen Haus passen, das wir später entdecken.

Nicht weit davon sollte ein kleines Haus dringend renoviert werden.

Im Städtchen (sorry: in der City) weist ein Plakat darauf hin, dass das Wasser von Greenwood 2012 an einem internationalen Wettbewerb zum besten Trinkwasser der Welt erklärt wurde.

Wenn Unterhaltsarbeiten am Reservoir nötig werden, muss allerdings der Welt bestes Trinkwasser…

…vorsichtshalber sogar abgekocht werden, wenn man es zum Zähneputzen oder Händewaschen brauchen will.

In Greenwood 1

Nachdem wir uns in Greenwood in unserer Motel-Unterkunft eingerichtet hatten…

…fuhren wir ans andere Ende des Städtchens zurück. Unsere Nichte Clea hatte uns die Deadwood Junction Cafeteria  empfohlen.

Das „Empfangskomitee“ wirkte freundlich, und ebenso freundlich, wenn auch weniger gespenstisch, war das Cafeteria-Personal. Wir fühlten uns dort sofort wohl.

Anschliessend machten wir einen ersten Spaziergang durchs Städtchen.

Im Saloon Inn würden wir am Abend gut zubereitete „Fish and Chips“ essen. Ein handkoloriertes Foto zeigt, wie sich die Strasse einst präsentierte.

Neben dem Museum steht ein in Bronze erstarrter Minenarbeiter.

Während der Zeit, in der die Kupfermine florierte, war im Städtchen viel Betrieb.

In meinem nächsten Beitrag werde ich den Spaziergang durch Greenwood fortsetzen.

Unterwegs nach Greenwood

Nach Vorspann eins und zwei wende ich mich jetzt unserer Fahrt zum alten Minenstädtchen Greenwood zu. Wir waren bei schönstem Oktoberwetter dorthin unterwegs. Erster Halt war das einstige Bahn- und Hotelstädtchen Midway.

Weil in der Nähe mehrere Minen erfolgreich abgebaut wurden, sah man für Midway eine vielversprechende Zukunft voraus. Nachdem die Columbia and Western Railway 1900 Midway erreicht hatte, wurden hier neun Hotels gebaut. Das Midway Hotel brannte schon im gleichen Jahr ab, wurde aber von seinem Besitzer Charles Thomet sofort wieder aufgebaut. Thomet starb auf tragische Weise. Er wurde 1908 von einem Banditen erschossen, der über die nahe Grenze in die USA entkam.

Hier das renovierte und als Museum eingerichtete Bahnhofgebäude:

Midway Station wurde auch von den Zügen der Canadian Pacific Railway bedient.

Wir begeben uns zum Billettschalter…

… und sehen uns die Werbung der Canadian Pacific an.

Erstaunlich, dass diese Eisenbahngesellschaft 1893 von Toronto aus für $ 610 sogar eine Reise um die Welt anbieten konnte.

Besonders bequem sind die Holzbänke im Triebwagen nicht. Es handelt sich wohl um die billigsten Plätze. Gut ist die Aussicht von dieser erhöhten Bank aus:

Weil wir unterwegs zum Minenstädtchen Greenwood sind…

… sehen wir uns im Museum genau an, wie die „Prospectors“  bei ihrer Suche nach Bodenschätzen ausgerüstet waren.

Unterwegs – zweiter Vorspann

Seit Anfang Oktober können wir im Okanagan River Sockeye-Lachse beobachten. Sie schwimmen dieses Jahr in erfreulich grosser Zahl flussaufwärts, hatten mehrere Jahre im Pazifik verbracht, bevor sie sich auf ihre lange Reise zu den seichten Stellen etwas nördlich von Oliver begaben. Hier legen jetzt die Weibchen ihre Eier und die Männer befruchten sie.

Unterwegs hat sich die Körperfarbe der Fische von einem metallischen Blau-Grün in ein leuchtendes Rot verwandelt. Nachdem die Weibchen ihre Eier gelegt und die Männchen sie befruchtet haben, sterben die Fische.

Von den ungefähr 2000 Eiern, die ein Weibchen legt, werden nur etwa zwei Fische den Weg in den Pazifik und Jahre später von dort wieder zurück zu den Laichstellen finden.

Am 18. Oktober kamen Marianne und ich auf einem Spaziergang am Fluss zu einer kleinen Bucht, in der Mitglieder der Osoyoos Indian Band tote Lachse ans Ufer zogen und untersuchten. Sie erklärten uns ihre Arbeit und erlaubten mir, sie dabei für meinen Blog zu fotografieren.

Mit einem speziellen Gerät kann festgestellt werden, ob ein Fisch auf seiner langen Reise  einmal mit einem Chip markiert wurde.

Geschlecht, Grösse und Gewicht werden in eine Liste eingetragen. Anhand des herausgelösten „Ohrknöchelchens“ kann dann im Labor das Alter der Fische bestimmt werden.

Die untersuchten Fische werden halbiert in den Fluss zurück geworfen. So werde sie nicht ein zweites Mal zur Untersuchung ans Ufer gezogen.

Etwas weiter flussaufwärts entdecken wir einen Weisskopfadler.

Er wartet darauf, sich ungestört bedienen zu können.