Vor ein paar Wochen stellten wir fest, dass die Spitze einer der beiden zwischen Haus und Atelier stehenden Ponderosa-Kiefern Nadeln verlor.
Der Baum war leider vom Mountain pine beetle (Dendroctonus ponderosae) befallen worden.
Die Weibchen legen ihre Eier unter die Borke und bringen gleichzeitig einen Pilz (Blue stain fungus) mit, der verhindert, dass sich der Baum mit dem Absondern von Harz gegen die Käfer wehren kann. Dazu wird die Wasser- und Nährstoffzufuhr blockiert, die Nadeln vertrocknen und fallen ab.
Die Borke löst sich und im Innern verfärbt sich das Holz blau.
Wenn der Baum nach einem Jahr tot ist, haben die Käfer bereits ein neues Opfer gefunden.
Die Wurzeln verfaulen, ein heftiger Windstoss kann jetzt den Baum fällen.
Weil wir befürchten mussten, dass die absterbende Kiefer auf den westlichen Teil unseres Hauses fallen könnte, entschieden wir uns schweren Herzens, den Baum fällen zu lassen.
Anfang Mai verwöhnen uns die blühenden Antilopenbüsche mit ihrem Zimt-Duft. Das Foto zeigt Büsche hinter meinem Atelier.
Dann steigt in mir jeweils die Erinnerung an den betörenden Frühlingsduft auf, den in den Centovalli zur gleichen Zeit die Narzissen um das Gehöft Al Campo herum verströmen.
Diese Narzissenfelder fanden sogar den Weg in die Tessin-Literatur.
Giuseppe Zoppi nahm ein entsprechendes Foto in sein Buch „Presento il mio Ticino“ auf (1. Auflage 1939). 2004 brachte mir Marianne ein Exemplar der vierten Auflage von 1960 nach Hause. Sie hatte es beim Buchverkauf der Oliver Library gekauft. Wie und wann ist wohl das Buch ins Okanagan Valley gekommen?
1947 wurde ein „Blick von Rasa aus talwärts nach Intragna“ mit einem Narzissenfeld im Vordergrund in das von Hans Wälti herausgegebene Buch „Tessin“ (Band 1 der Reihe „Die Schweiz in Lebensbildern“) aufgenommen.Der Blick wurde allerdings nicht von Rasa, sondern von Al Campo aus aufgenommen. Ich zitiere aus dem gleichen Buch:
…Wenn im Mai unter der Frühlingssonne das neue Leben erwacht, blühen an den dortigen Hängen ganze Narzissenfelder, so weiss, dass man von der gegenüberliegenden Talseite meinen könnte, Neuschnee sei gefallen. Die weisse Blume heisst hier „San Gottardo“. Sie erhielt den Namen vom Schutzheiligen von Intragna. Wenn am ersten Sonntag nach dem vierten Mai der Hauptort dessen Gedächtnisfest begeht, so steigt schon Tage zuvor jung und alt nach den Narzissenfeldern und holt die Arme voll der köstlichen Blumen, bis Kirche, Altäre und die Stuben in den Häusern aufblühen im duftenden Schmuck der Sternblüten.
Diese Postkarte aus den Fünfzigerjahren hat mich nach Kanada begleitet. Heute blühen die Narzissen nicht mehr so zahlreich und sie sind geschützt.
Ein Kreuz markiert die Stelle, wo einst die Kirche des Goldgräberstädtchens Fairview stand.
Nach dem Niedergang von Fairview wurde das Gebäude ins etwa zwanzig Kilometer entfernte Städtchen Okanagan Falls verkauft und transportiert.
Um die Abbrucharbeiten zu erleichtern, kam ein Minenarbeiter auf eine glänzende Idee: Er liess die Fenster mit Brettern zunageln und zündete im Innern der Kirche eine wohldosierte Ladung Dynamit. Mit einem Knall lösten sich Aussenwände und Dach vom Gebälk. Die Kirchturmspitze wurde dabei allerdings so stark beschädigt, dass der Turm dann in Okanagan Falls ein flaches Dach bekam.
Das Schild wurde kürzlich nicht von einer weiteren Explosion, sondern von einem heftigen Windstoss umgeworfen.
Die neuen Besitzer des in der Nähe von Okanagan Falls gelegenen Weinguts „Prpich Hills“ tauften die Winery 2002 in „Blasted Church“ um.
Von der Bistro-Terrasse aus geniesst man eine prächtige Sicht auf den Skaha Lake.
Wir verabschieden uns von den beiden Nonnen.
Den Wein werden wir bei einer festlichen Gelegenheit servieren.
Hier stand also einmal ein berühmtes Goldgräberstädtchen:
Familienleben in Fairview – das sieht ja idyllisch aus:
Das Wahrzeichen des Städtchens war für drei Jahre das 1899 gebaute elegante Hotel Fairview, das „Big Teepee“. 1902 brannte es bis auf die Grundmauern ab. Dabei kam Hoteldirektor Philip Mathias in den Flammen um.
Der berüchtigte Saloon – kein Ort für echte Ladies! – war unter dem Spitznamen „Bucket O‘ Blood“ bekannt.
Ein guter Name für einen kräftigen Wein. Zum Glück floss das Blut in Fairview nicht kübelweise.
Das Gefängnis blieb als einziges Gebäude noch lange an seinem ursprünglichen Standort.
Jetzt steht es neben dem Museum in Oliver und dient als Ausstellungsraum für Gegenstände aus der Goldgräberzeit.
Hier stand von 1887 bis 1925 das Goldgräberstädtchen Fairview:
Von uns aus können wir den einstigen Standort mit dem Auto in sieben Minuten erreichen.
Fairview war mit etwa 500 Einwohnern die grösste Siedlung im South Okanagan.
Die meisten Minenarbeiter hatten das Städtchen schon 1906 verlassen. Neue Goldadern waren nur noch schwer zu finden.
Während der Weltwirtschaftskrise wurde die Suche nach Gold in den Hügeln ringsum wieder aufgenommen. Zwischen 1934 und 1936 wurden hier 16’992 Unzen Gold und 162’680 Unzen Silber gefördert. Eine englische Unze entspricht 28,359 Gramm.
Hier stand die Kirche von Fairview. Auf sie und auf weitere Gebäude komme ich in meinem nächsten Beitrag zu sprechen.