November 1

Zu jeder Jahreszeit gehen wir gern im Naturreservat beim Mahoney Lake spazieren.

Marianne entdeckt unbekannte Pilze…

… und eine letzte Blume.

Ist es eine Arnika, eine Margerite oder eine Aster? Marianne wird sich später per Email beim Vogel- und Pflanzenspezialisten Dough erkundigen. Nach dem Foto, findet er, handle es sich um eine „Common Gaillardia“, früher „Brown-eyed Susan“ genannt.

Ich fotografiere einen „Oregon Grape“-Busch, der gut geschützt im Wurzelwerk einer vom Wind umgewehten Ponderosa-Kiefer wächst.

Schliesslich entdecken wir zusammen auf dem Waldboden einen weissen Stein, den wir zuerst für einen Bovist halten.

Aus der Nähe verwandelt sich der Pilz in einen Stein der besonderen Art: Er fordert uns auf, nicht gemein, sondern nett zu sein, und er wünscht uns einen guten Tag.

Brücken 2

Der Halloween-Spuk ist verflogen und ich wende mich wieder dem Thema „Brücken“ zu.

Diese 1955 gebaute Brücke verbindet „Downtown“ Oliver mit den westlich gelegenen Quartieren, dem Community Centre, dem Spital und dem Reservat der Osoyoos Indian Band. Etwas weiter flussabwärts kann der Okanagan River zu Fuss oder mit dem Fahrrad überquert werden.

Die Totenkopf-Tafel warnt nicht vor Flusspiraten, sondern vor Wirbeln und den künstlichen Stromschnellen. Der „Ponte Romano“ in der Nähe von Intragna in den Centovalli kommt mir in den Sinn. Am steilen Weg, der bei der Brücke zum Fluss hinunter führt, warnt eine rote Tafel vor plötzlich anschwellenden Wassermassen. Auf der Brücke bringt der heilige Nepomuk, Helfer in Wassernot, in einem Bildstock der Madonna einen Palmwedel dar.

Über diese Brücke bin ich seit meiner Kindheit unzählige Male gegangen. Nach heftigen Regenfällen tost die rasch anschwellende Melezza unter dem eleganten Brückenbogen durch.

Eine Darstellung des 1578 gebauten und 1989 restaurierten „Ponte Romano“, der auch „Ponte Nuovo“ heisst, hat in den Fünfzigerjahren ein Zündholzschächtelchen geschmückt.

Es hat mich nach Kanada begleitet.

Halloween-Intermezzo

Während in Penticton in der Nähe des „Leir House“-Kulturzentrums eine übermütige junge Hexe beim allzu kühnen Trainung für ihren Halloween-Flug kopfüber abgestürzt ist…

… bereitet sich bei uns auf dem Secrest Hill Horror-Max voll Vorfreude auf seinen nächtlichen Einsatz vor.

Ob wohl Blechdosen-Jack auch zum Halloween-Spuk beitragen wird?

Ich bin fast sicher, dass er sich von den leuchtenden Kürbisköpfen dazu verleiten lässt.

Die Gottesanbeterin, die ich in einer August-Nacht unter der Lampe am Rahmen unserer Haustür entdeckte, kam mir schon damals wie ein Halloween-Gespenst vor.

Es war, als hätte sie sich auf ihrer nächtlichen Jagd zur Tarnung ihrem Hintergrund angepasst.

Kaum hatte ich meine Kamera auf sie gerichtet, liess sie den weissen Nachtfalter fallen, den sie mit ihren Fangarmen festgehalten hatte.

Brücken 1

Die abenteuerlichste Brücke in meinen Erinnerungen ist die schwankende Hängebrücke von Salmina, die in den Centovalli unterhalb von Corcapolo über die Melezza führt. Bis zu ihrer Neukonstruktion 1977 wurden vermodernde Bretter notdürftig mit neuen ersetzt.

Dieses Foto nahm ich 1970 auf.

Ich war etwa zwölf, als wir uns vom Weiler Remagliasco aus der Brücke näherten und sahen, wie zwei Touristinnen die Brücke ganz langsam auf allen Vieren überquerten. Sie stammten aus Holland und verbrachten nicht weit von uns ihre Ferien in einem Häuschen, das sie vom Lebenskünstler Sam gemietet hatten. Und Sam hatte ihnen eingeschärft, nur so könne man die Brücke vor zu starken Schwingungen und damit vor dem Einsturz bewahren.

Dieses Schattenbild fotografierte ich 1987  von der mit Betonplatten ausgelegten neuen Brücke aus.

Weder abenteuerlich noch besonders elegant sind die Brücken, die bei uns über den Okanagan River führen. Als Beispiel füge ich ein Foto der etwa fünf Minuten von uns entfernete McAlpine Bridge ein.

Von der Brücke aus gehen wir oft am Okanagan River spazieren.

Die Herbstfarben sind hier besonders prächtig. Was uns bei unserem letzten Spaziergang zusätzlich freute: Viele Lachse waren daran, flussaufwärts zu ihren Laichstellen zu schwimmen.

Wir gingen noch etwas weiter nach Süden in die Richtung von Oliver.

Auf dem Rückweg bot sich uns ein überraschender Ausblick.

Herbstlich gerahmt zeigte sich Nylintin, der uralte Geschichtenerzähler.

„Verstädtert“

Ich hatte die Fotos für meinen nächsten Beitrag („Brücken“) schon zusammengestellt. Doch dann begleitete ich Marianne zu ihrer Geigenstunde im „Leir House Cultural Centre“ in Penticton.

An Hirsche um unser Haus herum sind wir gewöhnt. Kürzlich hatten wir gleichzeitig  Besuch von dreizehn Hirschen: von neun „Mule Deer“ und einer grazileren „White-taled Deer“-Mutter mit ihren drei Kindern. Schliesslich leben wir auf dem Land. Aber Hirsche in der Stadt?

Wir staunten: sieben „Mule Deer“ auf dem Rasen vor dem Haus neben dem „Cultural Centre“. Sie liessen sich nicht stören, als ich an ihnen vorbeiging…

… und auch nicht, als ich mich nach meinem Spaziergang ihnen gegenüber auf ein besonntes Mäuerchen setzte und einen Kaffee trank.

Als Marianne nach der Geigenstunde zu mir kam, waren die Hirsche immer noch da…

… und schreckten auch nicht auf, als wir an ihnen vorbeifuhren – ein Beweis für die beruhigende Wirkung eines Kulturzentrums.

Wine Country 2

Die Skulptur am Eingang zum „Wine Village“ erinnert daran, dass wir uns auf dem Reservat der Osoyoos Indian Band befinden.

Der von den Degustationshäuschen verschiedener „Wineries“ umgebene Dorfplatz eignet sich bei gutem Wetter für kulturelle Anlässe.

Kurz nach der Eröffnung des Weindörfchens zog eine Kunstausstellung erfreulich viele Besucherinnen und Besucher an.

Die gelungene architektonische Gestaltung lässt den Blick auf die felsige Umgebung und den Himmel darüber frei und ermöglicht ein spannendes Spiel von Licht und Schatten.

Im Gegenlicht kommt ein leicht bewölkter Himmel besonders gut zur Geltung.

Wine Country 1

Am vergangenen Wochenende hätte in Oliver das beliebte, jeweils mit einer Kunstausstellung im Community Centre verbundene „Festival of the Grape“ stattgefunden. Es musste, wie schon im Herbst 2020, wegen Covid-19 abgesagt werden. Erinnerungen tauchen auf.

Der Anlass wurde mit Begrüssungsworten und vor allem mit den Trommlern des portugiesischen Klubs eröffnet.

Wer eine Eintrittskarte kaufte, bekam dazu ein Glas, mit dem sie und er zu den Zelten pilgern konnten, in denen ihnen vorsichtig dosierte „Müsterchen“ eingeschenkt wurden.

Eine Hauptattraktion neben dem Auftritt bekannter Musik-Gruppen war der Traubenstampf-Wettbewerb.

Einmal beteiligten sich unter der Aufsicht eines Teufelchens sogar Engelchen an der munteren Saftpresserei. Kein wirklicher Ersatz für das Festival, aber trotzdem einen Abstecher wert, ist das etwa fünf Autominuten von uns entfernte, noch nicht ganz fertig gebaute „Wine Village“.

Mehr über das „Weindörfchen“ in meinem nächsten Beitrag.

September-Spaziergänge

Spaziergang in Penticton mit Blick auf den Okanagan Lake. Seit alle „wildfires“ gelöscht sind, ist er nicht mehr in Rauch gehüllt.

Spaziergang beim geheimnisvollen White Lake .

Aufziehender Herbstregen beim Green Lake.

Blick auf den verwunschenen Mahoney Lake.

Während in unserer Umgebung der Kaninchenbusch blüht…

…verfärben sich am Okanagan River unten die Essigbäumchen.

Marianne fotografiert mich beim Fotografieren eines eindrücklichen Wespennests.

Hier das verlassene Nest aus der Nähe.

Nicht weit davon ist ein Biber am Werk

Er benagt den Baum gleich doppelstöckig.

Memorial Wall

Eine Tafel an der Zufahrt zum Reservat der Penticton Indian Band erinnert daran, dass Ende Mai mit Bodenradar auf dem Areal der ehemaligen Indian Residential School in Kamloops 215 nicht markierte Kindergräber entdeckt wurden. (Blog-Beiträge „Trauer und Empörung“ vom  7. Juni und „Vier Kirchen in Flammen“ vom 29. Juni.)

In Oliver rief Clarence Louie, Chief der Osoyoos Indian Band, zu einem gemeinsamen Gang von „Indigenous and non Indigenous people“ vom Community Centre zur neu errichteten Gedächtnis-Mauer auf dem Reservat auf.

Hunderte von „Indigenous and non Indigenous people “ fanden sich beim Community Centre ein und brachten kleine Steine mit, um sie an der Mauer niederzulegen. Ich musste zur Zeit der Denkmal-Enthüllung die RipOff Artists-Ausstellung hüten. Marianne trug auch für mich ein Steinchen mit und fotografierte den Zug.

In die Memorial Wall sind links und rechts Backsteine eingelassen, die von den ehemaligen Indian Residential Schools in Kamloops und Cranbrook stammen.

Auf der Rückseite der Mauer ist u.a. zu lesen, das Ziel dieser Schulen sei es gewesen, indianische Sprache und Kultur zu zerstören und so „den Indianer im Kind zu töten“.

Hier die Gedenktafel aus der Nähe:

Unter der Tafel sollen schliesslich die Namen aller Kinder der Osoyoos Indian Band angebracht werden, die Residential Schools hatten besuchen müssen.

Vorläufig erinnern die mitgebrachten bunten Steine, eine kleine Puppe und ein Teddybär an sie.

Kolibris

Schon bald werden uns die letzten Kolibris wieder in Richtung Kalifornien und vor allem Mexiko verlassen. Von Mitte April bis Mitte September besuchen sie die Blumen in unserem Garten und die „Zuckerwasser-Tankstellen“ auf unserer Porch.

Einmal in der Woche untersucht der Hummingbird-Spezialist Barry unsere kleinen schwirrenden Besucher. Er fängt sie mit einem Fangnetz, das er über einen unserer „Feeder“ stülpt. Das geöffnete Netz ist mit einer langen Schnur verbunden, mit der Barry es von seinem Klappstuhl aus blitzartig schliessen kann.

In seinem Jeep liegen die Messinstrumente und die für die Eintragung der Messresultate vorbereiteten Listen bereit. Hier untersucht Barry die Flügelfedern.

Auch die Länge des Schnabels wird gemessen.

Ob der winzige Vogel wohl genug Fettvorräte für den langen Flug hat anlegen können?

Solange der Kolibri liegt, kann er sich nicht bewegen.

Die vier Hummingbird-Sorten, die uns besuchen, wiegen zwischen 2.7 und 4.3 Gramm. Bevor der gefangene Kolibri wegfliegen darf, wird er beringt. Mit dem winzigen Ringlein bekommt jeder Kolibri eine eingravierte eigene Nummer, die in eine Liste eingetragen wird. Aus der Liste lässt sich später herauslesen, in welchem Jahr er beringt wurde. 

Einzelne unserer gefiederten Gäste untersuchte und beringte Barry vor fünf Jahren.

Dazu braucht es Geduld und vor allem auch ruhige Hände!