Ruinen 2

Als Kind stieg ich oft von unserem Ferienhaus in den Centovalli zum verlassenen Weiler Maia hinauf.

In meiner Phantasie verwandelten sich die Ruinen in eine vom Dschungel überwachsene Maya-Stadt.

Als „Archäologe“ fand ich manchmal in den Maulwurfshaufen auf den vorgelagerten  breiten Terrassen kleine Scherben und Metallstücke. Die „Sammlung“ hat mich nach Kanada begleitet. Ich hatte sie mit dem „offiziellen“ Namen Maglia beschriftet, weil der Weiler so in meinem alten „Atlante topografico Siegfried, Foglio No. 514 Locarno“ eingetragen war.

In der Phantasie des Herausgebers der Geschichten-Anthologie „Sie hat es ihm angetan“ verwandelte sich 2006 mein Lebenslauf. Zu meinem Beitrag „Amörchen rettet keimende Liebe“ ist dort u. a. zu lesen: Kurt Hutterli, 1944 in British Columbia, Kanada, geboren, Schriftsteller und Künstler… Womit ich mir eine Kindheit im Städtchen Oliver B.C. im Okanagan Valley erfinden kann.

Sicher hätte man mich da oft in der Goldgräber-„Ghost-Town“ von Orofino in den Hügeln westlich von Oliver B.C. antreffen können.

Ruinen 1

Das „Hornets“-Nest im Antilopenbusch, das ich in meinem letzten Beitrag zeigte, löst sich auf.

Es lässt mich an Ruinen in verlassenen Centovalli-Weilern denken. Die Aufnahme machte ich 1970.

Die Ruinen in unserer Gegend sind weniger dauerhaft.

Einstürzende Gebäude, die frei stehen, bleiben des trockenen Klimas wegen länger erhalten.

Dürfte die Ruine der Haynes Farm bei Osoyoos  nicht  als „Heritage Building“ auf photogene Art weiter zerfallen, wären Balken und Bretter wohl längst als Bau- oder Brennholz weggetragen worden.

Wespennest-Architektur

Die grossen Nestkonstruktionen der schwarz-weissen „Glatzgesichtigen Hornissen“ (Bald-faced Hornets) hängen meist hoch oben in den Bäumen.

Selten sind sie in einem Busch (hier in einem „Antilope Brush“) zu finden.

Wenn die schwarz-gelben“Gelbjacken-Wespen“ (Yellow Jackets) ihre Nester im Schutz eines Daches bauen können, wird die Architektur besonders interessant.

Hier ein weiteres Beispiel:

Auch dieser „Design“ fasziniert mich:

Das Nest wurde im Schutz von Nadelbüscheln der „Ponderosa Pine“ gebaut. Beide Wespensorten stellen das „Papier“ für ihre „Leichtbau“-Nester  her, indem sie Rinde oder Holz kauen und mit ihrem Speichel mischen.

Weingut-Architektur

In fünf bis dreissig Minuten können wir von unserem Haus aus mit dem Auto um die dreissig Wineries erreichen.

Mehrere fallen durch ihre besondere Architektur auf.

Auf dem Reservat der Osoyoos Indian Band befinden sich die Nk’Mip Cellars.

Sie sind das erste von einer First Nation aufgebaute und betriebene Weingut Nordamerikas.

Mit dem Auto sind wir in fünf Minuten bei der Hidden Chapel Winery.

Hinter der Winery steht in einem Wäldchen versteckt eine Kapelle. Ein früherer, aus Italien eingewanderter Besitzer des Grundstücks baute sie für seine Frau.

Auf dem Weg zur Kapelle steht vor einer kleinen Buddha-Statue ein Bistro-Tischchen mit zwei Stühlen.

Wer lieber nicht in der Kapelle, sondern draussen „in sich geht“, kann es hier  tun.

Ristorante „Da Curzio“

Werfen wir einen Blick in mein Atelier:

Auf dem Arbeitstisch liegt mein von den skurrilen Rindenformen der Ponderosa-Kiefer inspiriertes Bild „Famous Nudes“.

Hier die Rückseite des Bildes:

Weil wir uns der Kälte wegen nicht mehr mit Verwandten und Freunden zu dritt oder paarweise zu viert mit dem nötigen Covid-19-Abstand in unserem Garten zu einem gemeinsamen Essen treffen können, überlegte ich mir, wie ich das Atelier jeweils ohne grossen Aufwand in das gut belüftbare Ristorante „Da Curzio“ verwandeln könnte.

Auf dem Tisch steht  der von meinem  Grossvater mütterlicherseits Joseph Wybrecht in seiner Kunstschlosserei an der Gerechtigkeitsgasse in Bern gestaltete Kerzenständer.

Ein Holzofen sorgt für gemütliche Wärme.

Für die Eröffnung mit einem Risotto rosso alla grappa liegt beim CD-Spieler Tessinisches und Italienisches bereit.

Halloween 2020

„Keine Halloween-Partys dieses Jahr!“, wird am Radio immer wieder gemahnt. Covid-19 verdüstert den Kindern den seltsamen Glanz der gespenstisch verhexten Nacht.

„Falls Kinder mit ihrem Trick or treat! an die Tür klopfen, gebt ihnen die Bonbons aus sicherer Distanz, indem ihr z.B. ein Schälchen an einem Hockeyschläger oder an einem Besenstiel befestigt.“

Ausschnitt aus dem Time Magazine vom 19. Oktober 2020

Bei uns landen jeweils fünf freundliche Hexen in der Küche. Hier eine von ihnen:

In Penticton entdeckte ich eine Hexe, die nach einem verfrühten Sturzflug ziemlich hart gelandet war.

Im Internet ist der Vorschlag zu finden, die Kürbisse dieses Jahr als Trump-Gesichter zu gestalten und nach Halloween sofort zu kompostieren. Wir halten es trotzdem mit einem „traditonellen“ Design.

Gärzeit

Während in unserem Keller der Traubensaft in 10l-Flaschen gärt, sieht es bei der etwa fünf Autominuten von uns entfernten Arterra Winery imposanter aus:

Arterra wurde mit ihren in allen Rebbaugebieten Kanadas gelegenen Wineries 2016 von der Pensionskasse der Lehrerinnen und Lehrer der Provinz Ontario gekauft. Das Foto nahm ich am 22. Oktober auf. Am Tag darauf präsentierte sich unser Garten im Winterkleid.

Das Rot der Hagebutten leuchtete im Schnee besonders intensiv.

Inzwischen ist der Schnee schon etwas weggeschmolzen. Am Dach unseres Holzschopfs hängt aber noch immer ein zerbrechliches Schneekunstwerk. Tochter Priska kommentierte über „Threema“ ein entsprechendes Foto mit „hübsche Schmalzlocke“, worauf Sohn Manuel mit „Schmelzlocke?“ reagierte.

Frost

Nach der ersten Frostnacht (minus 2 Grad Celsius) war es Zeit, die nicht tief im Boden vergrabenen Leitungen unseres automatischen Bewässerungssystems ausblasen zu lassen.

Beim Reinigen der im Boden versenkten elektrischen Anschlüsse der Sprinkler-Ventile musste ich zuerst auf einem Gartenschäufelchen eine höchst giftige „Black Widow“ zu einer Gruppe von Felsblöcken tragen, die hoffentlich ihre neue Behausung wird.

Die Leitungen führen zu dreissig  Sprinkler verschiedener Modelle.

Als zweites Beispiel ein Sprinkler, der aus dem Boden auftaucht, sobald er unter Druck ist.

Wie jedes Jahr brachte Dan einen Kompressor.

Hier der Anschluss an unser Leitungssystem.

Er sieht gebastelt aus, aber er funktioniert.

Das Ausblasen der Bewässerungssysteme lohnt sich. Vor ein paar Jahren kam der Kompressor im benachbarten Rebberg unserer Verwandten etwas spät zum Einsatz.

Das Resultat war zauberhaft, führte aber leider auch dazu, dass das Eis ein paar Leitungen aufsprengte.

„Honest John“, 2

Die Statue von „Honest John“ (Beitrag vom 27. September) wurde in Oliver im April 2007 enthüllt.

Auf dem Foto ist rechts mit Blumenstrauss die Bildhauerin Letta Shores zu sehen.

John Oliver wurde 1856 in Hartington, England, geboren. Als Elfjähriger verliess er die Schule, um in einer Bleimine zu arbeiten. Nach der Schliessung der Mine wanderte die ganze Familie 1870 nach Ontario aus, wo sie eine Farm aufbaute. Als Zwanzigjähriger zog John nach British Columbia, arbeitete für die Pacific Railway und verdiente mit harter Arbeit in einem Sommer genügend Geld, um sich in Surrey bei Vancouver eine Farm zu kaufen. Schon bald übernahm er in der Gemeinde verschiedene Ämter. 1882 verkaufte er die Farm, erwarb eine Farm in Delta und heiratete vier Jahre später Elizabeth Woodward, die Tochter des Posthalters. Zusammen hatten sie fünf Söhne und drei Töchter. John wurde zuerst in die Schulkommission gewählt und dann in den Gemeinderat. Obwohl sich die konservativen Gegner über seine schlichte Kleidung, die klobigen Schuhe und die oft etwas „ungeschliffene“ Ausdrucksweise lustig machten, wurde er ins Parlament von B.C. gewählt. Premier war damals der erzkonservative Kohlenminenbesitzer und Millionär James Dunsmuir. Seinen Übernamen „Honest John“ erwarb sich der „Anti-establishment“-Politiker 1902-03 mit einer Untersuchung von unlauteren Landsubventionen im Zusammenhang mit der Eisenbahn. Er brachte damit die Regierung von Dunsmuirs Nachfolger zu Fall.

2010 wurde im Hinblick auf die Winterolympiade in Vancouver die Olympische Flamme an John Oliver vorbeigetragen.

Dass „Honest John“ jetzt als lebensgrosse Statue im Zentrum von Oliver steht,  hat allerdings nicht mit seiner Ehrlichkeit zu tun, sondern mit seiner Idee, aus dem Weltkrieg zurückgekehrte Soldaten 1919 in der Umgebung des heutigen Städtchens Oliver anzusiedeln und das Land mit einem gross angelegten Bewässerungssystem fruchtbar zu machen.

Mit der Frage, wie sich diese Kolonisation auf die hier heimische First Nation auswirkte, werde ich mich in späteren Beiträgen beschäftigen.

Seit dem 26. Juni 2020 steht  nicht weit von „Honest John“ entfernt eine zweite Statue. Der „Okanagan Salmon Chief“ ist das Werk des Künstlers Smoker Marchand von der Arrow Lakes Band.

Im nahen Okanagan River lassen sich jetzt die Sockeye-Lachse beobachten.

Vom nördlichen Pazifik kommend,  schwimmen die Fische mit viel Kraftaufwand  flussaufwärts zu ihren Laichplätzen, wo sie schliesslich auch sterben werden.

Unsere „Micro Winery“

Weil wir gestern vor dem Haus unsere „Micro Winery“ in Betrieb nahmen, verschiebe ich meinen angekündigten Beitrag „Honest John“ 2 auf nächste Woche.
Die „Maréchal Foch“-Trauben für den eigenen Wein pflücken wir jeweils im benachbarten Bio-Rebberg von Bruder/ Schwager Hans und Schwägerin Christine. Vor unserem Haus zerquetsche ich dann die Beeren von Hand.

Der „Mansch“ kommt in die italienische Saftpresse.

Die einzelnen Tropfen leuchten rubinrot.

Marianne ist mit Farbe und Geschmack zufrieden.

Zurück bleibt ein fast schwarzer „Presskuchen“.

Ich deponierte ihn in „sicherer“ Entfernung hinter dem Atelier. Über Nacht hat sich bereits jemand bedient. War es ein Bär, ein Waschbär oder ein Hirsch?

Wie lange wird es wohl dauern, bis es in den Gärflaschen im Keller zu schäumen beginnt?