Ein neuer Nachbar

2019 hatte der Bach, der die Grenze zwischen unserem Grundstück und einem Stück „Crown Land“ bildet, die Secrest Hill Road überflutet, stellenweise unterspült und beinahe mit sich in die Tiefe gerissen. Das Strassenbauamt beschloss, den gefährdeten Strassenabschnitt dauerhaft zu sanieren.

Damit die nötigen Verbesserungen angebracht werden konnten, mussten wir Königin Elisabeth II., der Besitzerin des angrenzenden Landes, 228 Quadratmeter unseres Grundstücks verkaufen.

Nach dem Tod der Queen wurde nun ihr Sohn als King Charles III. unser Nachbar.

Die Provinz von British Columbia hatte das Landstück schon vor vielen Jahren unter Naturschutz gestellt. Für Spaziergänge können wir es von unserem Haus aus zu Fuss erreichen.

Wir hoffen natürlich, hier eines Tages auch unseren königlichen Nachbarn anzutreffen. Er hatte sich ja als Prinz in Sachen Umweltschutz einen Namen gemacht.

Für ein Fährtchen mit der königlichen Kutsche eignet sich dieses Strässchen allerdings nicht.

Vor Jahren gestaltete ich eine entsprechende Vision als einen meiner „Archaeological Sites“.

Gern würden wir unseren neuen königlichen Nachbarn zum Vieruhr-Tee einladen. Zur Auswahl könnten wir verschiedene feine Tee-Mischungen anbieten. Wir lassen sie uns von einer renommierten Firma aus Victoria B. C. schicken. Servieren würden wir den Tee selbstverständlich in einer klassischen Wedgewood-Tasse.

Wie wäre es mit der Queen Victoria- oder der Golden Jubilee-Mischung?

„Mein Kindheitskoffer“

Seit ein paar Tagen ist mein neues Buch „Mein Kindheitskoffer“ im Buchhandel erhältlich. (ISBN 9783907339343)

Hier zwei Zitate aus dem Klappentext:

„Ein spannendes Stück persönlicher Zeitgeschichte, welches den raschen Lauf des gesellschaftlichen Wandels eindrücklich dokumentiert.“ Dr. Manfred Hiefner, Verleger

Hutterlis Kindheitserinnerungen führen vor allem in die Stadt Bern, in ihre nähere Umgebung und ins Tessin. Dabei geht der Autor oft von Schulaufsätzen aus, die er in der zweiten, dritten und vierten Klasse schrieb. In der Berner Altstadt und im Tessin macht er mehrmals zusammen mit seinem „Wahlvorfahr“ Karl Viktor von Bonstetten  Ausflüge ins 18. Jahrhundert. In das mit „Kristallisationswörtern“ gegliederte Textgewebe eingestreut sind auch „Gutenachtgeschichten“, die in Kanada spielen.  Verschiedene Themen, die Hutterli schon in seiner Kindheit wichtig waren, sind bis 2022 mit Nachträgen ergänzt.

Wer 1955 in Remagliasco in den Centovalli dieses Foto aufnahm, weiss ich nicht mehr. Es zeigt mich mit den Eltern und Grosseltern am Mühlstein-Tisch vor dem grosselterlichen Haus. Auf dem zweiten Foto zeigt mein Bruder Werner stolz den grossen Steinpilz, den er in einem nahen Wäldchen fand.

Der Vater machte diese Aufnahme 1951.

Die Kolibris sind zurück!

2022 traf der erste Kolibri am 11. April bei uns ein. 2021 hatte sich der erste Hummingbird schon am 10. April an einer unserer „Zuckerwasser-Tankstellen“ auf unserer Porch bedient. Als dieses Jahr am 15. April noch immer keiner dieser summenden Gäste aus Mexiko bei uns aufgetaucht war, begannen wir uns Sorgen zu machen. Doch vom 17. April an war es dann endlich soweit: Die ersten „Hummers“ fanden den Weg zu uns.

Sie hatten einen Flug von ca. 4000 km hinter sich.

Kein Wunder, dass sie da hungrig waren.

Am 1. Mai richtete der Kolibri-Spezialist Barry auch bei uns wieder seine moblile „Beringungsstation“ ein.

Von der Netz-Falle auf der Porch aus bringt er die gefangenen Vögelchen in Säcklein zu seinem mit Messinstrumenten und Listen ausgerüsteten Jeep.

Ich staune immer wieder über Barrys ruhigen Hände…

Die Schnabellänge wird gemessen.

Bei den Weibchen zeigt sich am Bauch vom Brüten her eine nackte Stelle. Nach der langen Reise ist meist nur noch wenig Fett vorhanden.

Ein „Rufous“ bringt 3,4 g auf die Waage, ein „Calliope“ 2,7 g. (Ein Kolibri-Ei wiegt 0,5 g!)

Barry stellte fest, dass einer der „Brummer“ schon vor fünf Jahren beringt worden war.  Damit ist er mindestens fünf Jahre alt. Fünfmal den Flug Mexiko – Okanagan Valley und zurück bedeutet 5 x 8000 km, also 40’000 km in der Luft.

Dieses Foto nahm Marianne gestern auf.

Kirchtürme

Neben dem „Venables Theatre“ wirkt die anglikanische Kirche in Oliver geradezu „altehrwürdig“.

Nicht so einfach ist es, einen Standort zu finden, von dem aus sich der Kirchturm der lutherischen Kirche fotografieren lässt.

Beides sind bescheidene Kirchtürme, wenn  ich sie in Gedanken mit dem Campanile von Intragna vergleiche, an dem von 1765 bis 1772 gebaut wurde und der mit 65,114 Meter der höchste im Kanton Tessin ist. Ein alter Spruch nennt ihn mit dem Damm von Melide und dem Hunger im Onsernonetal als eine der drei  Besonderheiten des Kantons: „Il ponte di Melide, il campanil d’Intragna e la fame d’Onsernone sono le tre rarità del cantone!“

Je nach Blickwinkel wirkt dieser berühmte Campanile, verglichen mit anderen Tessiner Kirchtürmen, nicht besonders imposant.

„Nirgends ist eine Kirche so eng von Privathäusern umklammert wie da. Bis zum Jahr 1722 sammelte bloss eine alte Kapelle die Gläubigen zum Gottesdienst. Da beschlossen die Intragneser, eine der prächtigen Lage ihres Ortes entsprechende Kirche zu bauen. Mit der Vergrösserung der Kirche musste der Turm seinen Standort ändern. Die Stammhäuser der einflussreichsten Familien liessen sich aber nicht einfach zur Seite schieben. Der Kirchturm musste also dicht an die Häuserfronten gebaut werden. Wenn dabei seine Wirkung aus der Nähe verloren ging, wollte man diesen Nachteil durch seine Höhe wettmachen. Zu einem solchen Riesenturm waren aber die nötigen Geldmittel nicht vorhanden. Die Gemeinde verkaufte Land, hob das Kirchengut ab und sammelte freiwillige Spenden. Der Landvogt in Locarno ermächtigte die Gemeindeväter, Zwangsmittel anzuwenden gegen diejenigen Bürger, die nicht eine Zeitlang unentgeltlich am Turmbau mitarbeiten wollten. Zur Strafe wurde ihnen das Salz entzogen. Nach sieben Jahren stand der Turm endlich. Er hätte nach den Plänen noch fünfzehn Fuss höher werden sollen. Aber dazu fehlte schliesslich das nötige Geld und weitere Zwangsmittel kamen nicht mehr zur Anwendung.“ (Nach einem Beitrag von Hans Wälti in „Die Schweiz in Lebensbildern, Band 1, Tessin“, Verlag H.R. Sauerländer, Aarau, 1947.)

Dieses Foto nahm ich 1970 von der Alp Salticc aus auf.

1960 hatte ich als Sechzehnjähriger den damaligen Sigristen die 165 Granitstufen zum Glockenstuhl hinauf begleiten dürfen.

Die nächste Aufnahme zeigt den Blick von unserem Centovalli-Refugium aus nach Intragna. Mit einem Feldstecher lässt sich die Zeit an der Kirchturmuhr ablesen. Bei Gewitter wird jeweils eine besondere Glocke zum Schutz vor Blitz und Unwetter geläutet. Sie trägt die Inschrift „A fulgure et tempestate libera nos Domine“.

An Ostern setzte sich Enkel Raphael, ausgerüstet mit Messer und einem Stück Kastanienholz, auf die Terrasse mit der Talsicht …

… und schnitzte „nach Natur“ den Kirchturm von Intragna.

Dreifach gewaschener Einwanderer

Kürzlich brachte Marianne mit anderen Einkäufen auch abgepackten biologischen und dreifach gewaschenen Salat heim.

Einen Teil davon servierte sie zum Abendessen. Am nächsten Tag war es an mir, das Essen zuzubereiten.

Salat aus Salinas, California? Da musste ich an den Bienenzüchter Giacomo Salmina aus Corcapolo in den Centovalli denken. !967 hatte er mir erzählt, er sei als junger Mann nach Salinas in Kalifornien ausgewandert. Er habe es dort nur ein paar Monate  ausgehalten und dabei das Geld für die Rückreise gespart. Jeden Morgen habe er um fünf Uhr aufstehen und Salat bewässern müssen. Ich solle mir das einmal vorstellen, ein Valley voll  Salatköpfe! So gern ich selbst Salat esse, ich stellte es mir sehr eintönig, langweilig und anstrengend vor.

Giacomo liess sich gern vor seinen Bienenstöcken fotografieren. Noch vor ein paare Jahren habe er mit hundert Völkern 1000 bis 2000 Kilogramm Honig produziert.

Im Internet fand ich ein Foto, das eindrücklich illustriert, wovon Giacomo damals gesprochen hatte: Salinas Valley – l’insalatiera del mondo!

Die Salatpackung hielt eine weitere Überraschung bereit …

… einen dreifach gewaschenen unfreiwilligen Einwanderer! Ich brachte ihn vors Haus. Salat würde er in unserem Garten allerdings noch keinen finden.

Aber vielleicht kann er sich ja an frisches Gras …

… oder Balsamroot-Blätter gewöhnen.

Wir hoffen es für ihn, denn dreifach gewaschenen Salat aus dem Salinas Valley werden wir ihm nicht anbieten.

Durchs Küchenfenster

Vom Küchentisch aus konnten wir in der vergangenen Woche vier pelzige Besucher beobachten. Gast Nummer 1 gehört zu einer in den frühen 1980er Jahren vom angrenzenden Staat Washington her eingewanderten Eichhörnchenart. Er frass sich an unserem Vogelfutter satt.

Dem Buch „Mammals of British Columbia“ entnehmen wir, dass diese Eichhörnchen im South Okanagan nördlich erst bis Oliver anzutreffen sind – und damit offensichtlich auch bei uns auf dem Secrest Hill.

Als gute Turnerin konnte sich ein Streifenhörnchen (Townsend’s Chipmunk) an der Fettscheibe bedienen, die wir für die Vögel aufgehängt haben.

Dann tauchten zwei Kojoten auf, warfen einen Blick auf unser Haus und verschwanden rasch wieder.

Im Buch wird hier der Kojote mit dem Grauwolf verglichen.

Wie vorher das Eichhörnchen, ist auch unser nächster Gast am Vogelfutter interessiert.

Die Sonnenblumenkerne riechen offensichtlich appetitlich, so richtig zum Weglecken.

Als Dessert jetzt noch etwas frisches Gras.

Und dann …

… bis zum nächsten Mal!

Bandweberei 2

Hier schlage ich, wie angekündigt, einen Bogen von Bordei in den Centovalli nach Lappland und Finnland.

Zwischen den Bandweberahmen aus Bordei und Finnland liegt der von Mariannes Schwester Silvia 1960 aus Lappland mitgebrachte Rahmen aus Rentierknochen. Silvia arbeitete ein Jahr lang als Laborantin in Oslo und Tromsö.

Hier zwei Beispiele von samischen Bandwebemustern.

Marianne webt ihre Bänder mit dem finnischen Rahmen und in letzter Zeit auch mit einem „Inkleloom“.

Die Bänder näht sie als Tragriemen an Einkaufstaschen.

Bandweberei 1

Über meine Website nahm ein Enkel des Ehepaars, das einst in Bordei in den Centovalli die Osteria führte, mit mir Kontakt auf. Er habe seine Grosseltern auf einem Foto in meinem 1972 erschienenen Buch „Die Centovalli“ entdeckt.

Ich hatte die Aufnahme 1970 gemacht und füge hier einen Ausschnitt ein:

Ich zitiere aus der E-Mail : „Ich frage mich, ob Sie noch andere Aufnahmen haben, die Bordei, die Osteria und die Menschen, die dort lebten, dokumentieren. Ich wäre sehr daran interessiert, fotografische Dokumente zu sammeln, auch um diesen Orten neues Leben einzuhauchen, ohne ihre Geschichte zu vergessen.“

Hier jetzt Zitate aus meiner Antwort: „Welch erfreuliche Überraschung, im kanadischen Südwesten eine Mail im Zusammenhang mit Bordei zu bekommen! Da steigen viele Erinnerungen in mir auf. Der Kontakt mit Ihren Grosseltern war für mich eine grosse Bereicherung. Ohne ihre freundliche Bereitschaft, mir Einblick in ihr herrschaftliches Haus und in die Familiengeschichte zu gewähren, wäre das Kapitel ‚Bordei‘ in meinem Buch viel knapper ausgefallen.“

Unter das Foto, das  ich 1970 in der Osteria aufnahm, setzte ich den Kommentar: „Hier steht die Zeit still.“ 

„Ihre Grosseltern liessen nach dem Foto, das ich von ihnen vor der Osteria gemacht hatte, ein Bild malen, das sie in die Gaststube hängten. Ich bedauere noch immer, dass ich damals kein Foto davon machte… Leider habe ich unter den Centovalli-Fotos, die mich nach Kanada begleiteten, keine weiteren Bordei-Aufnahmen gefunden. Eine Ergänzung habe ich dem küstlerisch gestalteten, umfangreichen Buch ‚i comignoli‘ von Karl Iten entnehmen können. Das Foto machte ich in der Küche Ihrer Grosseltern.“

„Ihr Grossvater schenkte mir grosszügigerweise ein kleines Objekt, das mich besonders faszinierte: Es schlug für mich einen Bogen von Bordei nach Finnland und Lappland, und es hat mich als Erinnerung an meine Besuche bei Ihren Grosseltern nach Kanada begleitet. Es wäre schön, wenn es jetzt den Weg zurück und damit in Ihre Bordei-Sammlung fände.“

Hier die Antwort, die ich aus dem Tessin bekam: „Ich freue mich sehr, wenn sie das Geschenk meines Grossvaters Filippo behalten. Ich glaube, dass es, bei all der Sorgfalt und dem Respekt, die Sie ihm entgegengebracht haben, in Kanada bei Ihnen bleiben sollte.“

(Auf den Bogen von Bordei nach Finnland und Lappland komme ich im nächsten Beitrag zurück.)

Geheimnisvolle Röhrchen

Vor Jahren schwoll der Bach, der über eine kurze Strecke die Grenze zu unserem Grundstück bildet, nach einem heftigen Gewitterregen so stark an, dass er ein Uferstück mitriss.

Dabei kamen geheimnisvolle Röhrchen zum Vorschein.

Hier mussten einst Biber den Bach mit einem Damm gestaut haben. Davon übrig blieben Ästchen, die im kalkhaltigen Wasser langsam „versteinerten“.

Mit der Zeit hatte sich das immer dicker beschichtete Holz aufgelöst und zurück blieben  weisse Röhrchen mit verschiedenem Durchmesser.

Etwas für den Biber

Ob majestätisch ruhend …

… oder aggressiv grimmig …

… Marianne findet die Löwen vor den Motels am „Lungolago“ von Penticton fehl am Platz und damit „etwas für den Biber“. Dass ein „Castor canadensis“ sich von seinem Bau weglocken liesse, um diese Art von Skulpturen zu bearbeiten, ist allerdings unwahrscheinlich.

Diese Biberdamm-Baustelle fotografierte ich kürzlich auf einem Spaziergang am Ufer des Okanagan River.

Auch wenn die Biber ausgezeichnete Zähne haben  – die gelbe Farbe kommt vom im Zahnschmelz eingelagerten Eisen – bearbeiten und verarbeiten sie Baumstämme und nicht in Zement gegossene Löwen.

Biberweibchen und Bibermännchen bauen gemeinsam am Damm. Sie gehören zu den wenigen monogam lebenden Säugetieren. Ihre Jungen bleiben für zwei Jahre im elterlichen Bau. Familienoberhaupt ist das Muttertier.

Zusätzlich zur Baumrinde ernähren sich die Biber im Frühling und Sommer von Pflanzenblättern. Die Baustelle ist eindrücklich. Hier wird ein Stamm „entzweigenagt“.

Beim nächsten Baum handelt es sich um ein grösseres „Projekt“.

An den entrindeten Stämmen …

… entsteht eine Art „Visitenkarte“.