Québec 1

Auf unserer Fahrt entlang dem St. Lorenz-Strom machten wir in Sainte-Anne-de Beaupré Halt. Hier wird seit über dreihundert Jahren die wundertätige „bonne sainte Anne“ verehrt. Die heutige, aus Granit gebaute Basilika wurde 1934 eingeweiht. Neben diesem monumentalen Bau nehmen sich die Sant’Anna-Kirchen von Rasa und Costa sopra Borgnone sehr bescheiden aus. Im südlichen Schiff steht die vom einheimischen, 1928 gestorbenen Künstler Louis Jobin geschaffene Holzskulptur „La sainte Famille“.

Die Sant’Anna-Statue in Rasa ist aus bemaltem Feigenholz und stammt aus dem Jahr 1798.

Anglerglück

Mehrmals standen Sohn Manuel, Enkel Raphael und ich im Morgengrauen auf, um zusammen, ich als Assistent, in Oliver und Umgebung zu fischen. Wir wurden mit prächtigen Sonnenaufgängen und zwei Fischen belohnt.

Raphael fing einen Barsch (Yellow Perch).

Manuel konnte eine Forelle überlisten (Coastal Cutthroat Trout ?).

Unser Wein 2018

Nach unserer erlebnisreichen Québec-Reise „en famille“ trafen wir bei uns auf dem Secrest Hill leuchtende Herbstfarben und im Rebberg von Hans und Christine die letzten noch nicht gelesenen Trauben an. Zusammen mit Manuel und Familie pflückten und pressten wir sie bei sonnig mildem Herbstwetter.

Jetzt gärt in unserem Keller der „Maréchal Foch“ 2018.

Aussicht auf neuen Wein

Während Marianne gestern intensiv für die Oliver Food Bank arbeitete, nahm ich in der Penticton Art Gallery als einer der beteiligten Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Herkunft am Abschlussprogramm der stark beachteten Sommerausstellung „eRacism“ zum Thema „Rassismus in Kanada“ teil. Heute fuhren wir nach Okanagan Falls zum Lachs-Dankesritual der Penticton Indian Band. Übermorgen fliegen wir nach Montréal. Dort treffen wir unseren Sohn Manuel mit Familie und reisen mit ihnen durch Québec. Anschliessend begleiten sie uns nach Oliver, wo wir gerade rechtzeitig für den „Festival of the Grape“ ankommen werden. Der „Läset“ im benachbarten Biorebberg von Mariannes Bruder Hans und seiner Frau Christine wird dann wohl schon vorbei sein.

Aber vielleicht hängen am einen oder anderen Rebstock noch genug Trauben, aus denen wir, wie jedes Jahr, etwas eigenen Wein pressen können.

 

Back to school

Nach zwei Monaten Sommerferien begann am 4. September das neue Schuljahr. Ich stelle hier mit Fotos die beiden auffälligsten Schulhäuser von Oliver vor. Die erste Aufnahme zeigt die SOSS (South Okanagan Secondary School), die von der achten bis zur zwölften Klasse führt. Sie ist mit neuster Technologie ausgerüstet und mit einem eindrücklichen Theater- und Konzertsaal mit grosszügig einladendem Foyer verbunden. Auf dem zweiten Foto ist die First Nations School Sen-Pok-Chin zu sehen, die sich nicht in Oliver selbst, sondern auf dem angrenzenden Reservat der Osoyoos Indian Band befindet.

Das dritte Foto zeigt einen Teil des künstlerischen Schmucks.

Marianne unterrichtete bis zu ihrer Pensionierung an beiden Schulen. Die SOSS sah damals allerdings noch anders aus. Das frühere, 1948 im Stil des „Streamline Moderne“ erbaute Schulhaus nannte man am Anfang stolz den Taj Mahal der Schulen von British Columbia. Hier gingen in den Achzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts unsere beiden Kinder je ein halbes Jahr zur Schule – das tönt schon fast historisch! Anfang September 2011, am Tag vor dem Schuljahrbeginn, brannte das als „Heritage Building“ unter Schutz gestellte Gebäude während den umfassenden Renovationsarbeiten ab. Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt. Das neue Schulhaus wurde 2013 eingeweiht und gilt von seiner Konstruktion her als eines der umweltfreundlichsten in B.C.

Sommerausklang

Die Hagebutten an den wilden Rosenbüschen röten sich, viele Essigbaumblätter sind schon dunkelrot und die papageienförmigen Samenkapseln des Milchkrauts springen auf und lassen ihre seidig weissen Gespinste fliegen. Unter einem rauchfreien Himmel konnten wir endlich, Marianne mit einem fast ganz verheilten linken Vorderarm, in unseren Anfang Sommer gekauften aufblasbaren Kajaks zum ersten Mal „in See stechen“, das heisst, auf dem kleinen, etwa fünfzehn Autominuten von unserem Haus entfernten Tuc-El-Nuit Lake paddeln. Auf dem Seegrund liegt seit vielen Jahren mein Ehering, den mir das Wasser beim Schwimmen vom Finger streifte. Oder befindet er sich in einem Fischbauch?

Almost back to normal

Hurra, Mariannes linker Vorderarm ist wieder ohne rosa Gips und ohne schwarze Stütze und fast immer schmerzfrei, der Himmel seit Montag fast immer rauchfrei. In British Columbia brennen aber noch immer über 500 Waldbrände und der Sommer 2018 wurde eben zur schlimmsten „fire season“ in der Geschichte der Provinz erklärt. Zu unserer Überraschung machte vor ein paar Tagen eine Bullsnake am Auto Kletterübungen und eine sonst so scheue Schwarze Witwe präsentierte sich äusserst auffällig an der weissen Tür zum Geräteschuppen.

Bullsnakes sind ähnlich wie Klapperschlangen gemuster, haben aber einen Natternkopf mit runden Augenpupillen und einen elegant zulaufenden Schwanz ohne Klappern. Sie sind ungiftig und werden, als die grösste unserer Schlangenarten, bis zu 180 cm lang. Meist töten sie ihre Beute (Mäuse, Maulwürfe, manchmal auch frisch ausgeschlüpfte Vögel in ihren Nestern), indem sie diese umschlingen und erdrücken. Eine Bullsnake kann ihr Zischen so regulieren, dass es wie das Rasseln einer Klapperschlange tönt. Dazu lässt sie ihr Schwanzende vibrieren.

Der Körper eines Western black widow-Weibchens ist bis zu 12 mm lang, derjenige eines Männchens nur 5 mm, und wie bei manchen anderen Spinnenarten fressen die Weibchen die Männchen nach der Paarung meist auf. Die Schwarzen Witwen gelten als die giftigste Spinnenart Nordamerikas. In Kanada kommen sie nur im Süden des Okanagan Valley vor. Zum Glück ist ihr Biss für Menschen nur selten tödlich. Das orange-rote „Stundenglas“ auf ihrem Bauch könnte als Warnung aufgefasst werden. Jedenfalls ist beim Griff in einen Winkel des Schuppens, beim Umdrehen von grösseren Steinen und von Kürbissen Vorsicht am Platz.

Gartenfarben

Der Rauch um uns herum ist dichter denn je. Von Raum zu Raum reinigen wir jetzt die Luft mit dem Filtergerät, das Marianne gestern in Oliver kaufte. Wir sind nur möglichst kurz draussen, freuen uns an den Farben im Garten, die im gedämpften Sonnenlicht merkwürdig intensiv leuchten.

Die Solarzellen auf dem Dach produzieren nur einen Viertel des Stroms, den sie ohne den Rauchschleier ins Netz einspeisen würden. Die Blumen, habe ich auf CBC Radio von einem Imker gehört, bilden in Trockenheit und Rauch seit Wochen weniger Nektar, so dass es dieses Jahr nur eine magere Honigernte gibt.

Im Radio wurde auch diskutiert, ob die Okanagan-Weine einen leichten Rauchgeschmack bekommen könnten. In einer Sendung zum Thema „Klimawechsel“ meldeten sich mehrere Leute zu Wort, die davon ausgehen, dass all dies zur neuen „Normaltät“ gehört, an die wir uns anzupassen haben.

Hochsommer

Eigentlich wäre der Himmel über Haus und Garten nicht rauchig grau, sondern hochsommerlich blau. Der vielen Waldbrände wegen hat die Regierung von British Columbia für vorläufig zwei Wochen den Notstand erklärt. Das gibt ihr die Möglichkeit, die Feuerwehreinsätze besser zu koordinieren und die nötigen Mittel rasch bereitzustellen.
An der Zimmerwand hinter mir hängt das sonnige Aquarell, das Marianne 1975 in unserem Centovalli-Refugium malte.

 

Im Rauch

Blick am Kirschbaum beim Atelier vorbei zu den Hügeln.

Über das vergangene Wochenende erhöhte sich die Zahl der Waldbrände in British Columbia um 140 auf 600. 3500 Feuerwehrleute stehen im Einsatz. Unterstützung kam aus anderen Provinzen, aus Mexiko, Australien und Neuseeland. Diese Woche werden zusätzlich 200 Soldaten und weitere Löschflugzeuge eingesetzt. Die Rauchwarnung fürs Okanagan Valley stieg gestern bei einer Skala von 1 bis 10 auf 10 plus – also möglichst im Haus bleiben und draussen nichts Anstrengendes unternehmen. So haben sich die beiden Hirschkühe vernünftigerweise beim Kirschbaum zu einer Siesta niedergelassen.