Wein abfüllen

Bevor ich mich in einem nächsten Beitrag wieder einmal „unseren“ Kolibris zuwende, möchte ich mit ein paar Fotos zeigen, wie Sohn Manuel und Enkel Raphael nicht nur beim Fischen, sondern auch beim Abfüllen unseres „Maréchal Foch 2020“ erfolgreich waren. Die Trauben hatte ich im Herbst 2020 im benachbarten biologisch gepflegten Rebberg von Schwager Hans und Schwägerin Christine gepflückt und dann bei uns vor dem Haus gepresst.

Hier bringt Manuel eine der drei Zehnliter-Gärflaschen aus dem Keller auf die Porch.

Die an den Trauben natürlich vorkommende Hefe hatte den Saft zum Gären gebracht. Seit der stürmischen Gärung ruhte der neue Wein auf der abgestorbenen Hefe. Sie wirkt konservierend, so dass ich die Flaschen vor dem Abfüllen nicht mit einer Schwefellösung ausspülen muss.

Eine alte Regel sagt hier, dass der Wein draussen nur in Monaten mit „r“ abgefüllt werden sollte, um so eine zu starke Erwärmung zu vermeiden.

Der Wein hat erfreulicherweise keine Fehler.

Die abgefüllten Flaschen werden von Raphael gekonnt verkorkt.

Welch ein Glück für Marianne und mich…

…dass wir dieses Jahr zwei so einsatzfreudige Helfer hatten!

Ripley Lake 2

Die Wanderung zum Ripley Lake hatte gezeigt, dass das schmale Strässchen bis zum See hinunter befahrbar ist. Manuel und Raphael beschlossen, trotz Kälte und Regen  mit unseren beiden aufblasbaren Kajaks noch einmal fischen zu gehen. Die folgenden drei Fotos wurden von Manuel aufgenommen.

Manuels Kajak liegt am Ufer bereit. Raphael ist schon davongepaddelt. Jetzt sitzt auch Manuel in seinem Boot.

Es ist so bitter kalt, dass sich Schneeflocken in den Regen mischen.

Zum Glück können sich die beiden unentwegten Fischer gut gegen Nässe und Kälte schützen. Nach mehreren Stunden kommen sie mit acht Forellen nach Hause!

Erfolgsgeheimnis: die künstlichen Fliegen, die Raphael hergestellt hat.

Am nächsten Tag trockneten die Kajaks vor dem Haus an der Sonne…

… und warten jetzt im Keller unten auf ihren nächsten Einsatz.

Ripley Lake 1

Für die erste längere Frühlingswanderung fuhren wir zuerst in die etwas südlich von uns gelegenen Hügel hinauf und wanderten dort vom Madden Lake…

…. zum Ripley Lake.

Während hoch oben über uns die grössten Kranichschwärme, die wir je gesehen hatten, nordwärts flogen, umgaukelten uns Mourning Cloaks, die als Schmetterlinge überwintert hatten („Trauermäntel“, Nymphalis antiopa: Flügelspannweite 50 – 80 mm; Foto Manuel Hutterli).

In ihren Rucksäcken trugen unser Sohn Manuel und unser Enkel Raphael ihre Fischruten. Auf dem nächsten Foto schaut Marianne auf dem Bootssteg Manuel beim Fischen zu.

Raphael stand in seinen neuen Fischerstiefeln im See.

Zwei Forellen (die erste hier von Manuel am Seeufer fotografiert) wurden von Manuel gefangen.

Raphael bereicherte unser Abendessen mit zwei weiteren Exemplaren.

Als Köder hatten die beiden erfolgreichen Fischer Regenwürmer aus unserem Komposthaufen verwendet.

Blick in die Vergangenheit

Die scharfe Kurve am Vaseux Lake liegt etwa fünfzehn Autominuten von uns entfernt.

1911 sah die Strasse hier spektakulärer aus.

Ein Gedankensprung bringt mich in die Centovalli, wo zusätzlich zur engen und kurvenreichen Strasse auch eine Bahnlinie durchs Tal führt. Die  Schmalspurbahn wurde am 25. November 1923 eröffnet. Das Foto von Raphael Hutterli zeigt Bahnlinie und Strasse unterhalb Corcapolo.

Auf einer um 1920 entstandenen Aufnahme ist das kühnste Viadukt der „Centovallina“  noch im Bau zu sehen.

Es überspannt die Talstrasse, die 1890 bis zum Grenzort Camedo führte.

Jubiläumsbuch

Das Buch „One Hundred x One Hundred“ hätte auf Weihnachten hin erscheinen sollen. Schwierigkeiten mit der Papierlieferung verzögerten den Druck, aber das Warten lohnte sich.

In enger Zusammenarbeit mit der Osoyoos Indian Band entstand ein reich illustriertes Buch, das auf 95 Seiten die zehntausend Jahre der indianischen Präsenz in diesem Tal und die hundert Jahre des Städtchens Oliver feiert.

Eingeleitet wird das Buch mit einem Zitat aus der Hymne der Okanagan syilx Nation.

Dann wird als Motto daran erinnert, dass Oliver dank eines grossen Bewässerungsprojekts entstand und von einem sonnigen Klima profitiert.

Die Rückseite des Buches zeigt das Städtchen, dessen Einwohnerzahl letztes Jahr auf über 5000 anstieg.

Die Hügelzüge im Hintergrund befinden sich auf dem Reservat der Osoyoos Indian Band.

Mehr Frühlingszeichen

Um unser Haus und Atelier herum sind es die glänzend gelben „Buttercups“, die den Frühling ankünden.

Dann läuten ihn die „Yellow Bells“ ein.

Den „Arrow-leaved Balsamroots“ kann man beim Wachsen richtig zusehen.

Der Kaktus saugt sich wieder mit Wasserreserven voll.

Vor dem Haus blühen die ersten Aprilglöckchen.

Und neben dem Atelier…

… steht das Bistro-Tischchen für sonnige Tage bereit.

Frühlingsanfang

Ein sicheres Zeichen dafür, dass es Frühling wird, ist die Ankunft der Bluebirds.

Vern Johnson, hier auf einem Foto von 1996, sind die vielen Bluebird-Nistkästen um den Rattlesnake Lake herum zu verdanken.

Von ihm übernahmen wir die Aufgabe, die Kästen im Frühling zu säubern, mit frischen Zedernspänen zu „polstern“ und, falls die Bären sie beschädigt hatten, zu flicken oder durch neue zu ersetzen. Diese Aufgabe hat dieses Jahr ein jüngeres Team übernommen. Marianne und ich betreuen jetzt noch die Kästen, die wir auf unserem Land und um den Rebberg unserer Verwandten herum eingerichtet haben.

Nicht alle Kästen sind so leicht erreichbar.

Marianne schützt sich mit einer Maske vor dem Neststaub.

Die Zedernspäne dienen nicht nur als weiche Unterlage für das Nest…

…sie halten mit ihrem Duft auch Ungeziefer fern.

Mit einem Federstrich

„Mit  dem einfachen Strich einer offiziellen Feder“, schreibt Chief Clarence Louie in seinem Buch Rez Rules, „wurden vielen Indianerstämmen in den USA und in Kanada wichtige Gebiete der ihnen zugesprochenen Reservate wieder weggenommen.“  Zum Reservat der Osoyoos Indian Band gehörten ursprünglich auch zwei Hektaren Land bei den Stromschnellen von Okanagan Falls.

Hier wurde am westlichen Ufer des Okanagan River 1956 ein Provincial Park eingerichtet.

Die „Falls“ waren die beste Stelle, um Lachse zu fangen.

Seit dem Beginn der Zeit fischte und jagte das Syilx-Volk in diesem Tal und in anderen Gegenden und sammelte Wurzeln, Pflanzen und Beeren. Die Legende erzählt, dass Senklip (Coyote) den Sockeye-Lachs den Columbia River hinauf brachte und ihn dem Stamm am Similkameen River im Tausch mit einer Frau anbot. Das Angebot wurde abgelehnt. Das Syilx-Volk am Okanagan River hingegen ging auf den Tauschhandel ein und gab Coyote eine Angerhörige ihres Stammes zur Frau. Seither schwimmt der Sockeye-Lachs den Okanagan River hinauf.

2015 wurde der Park umbenannt.

Er wurde noch nicht an die Osoyoos Indian Band zurückgegeben, wird aber von ihr verwaltet.

Hier findet jedes Jahr in der dritten Septemberwoche ein Lachsfest statt, zu dem auch „non natives“ eingeladen sind.

Unsagbares Leid!

Zuoberst auf der Titelseite der in Oliver erscheinenden Wochenzeitung für das South Okanagen war am 3. März dieses Foto mit Kommentar zu finden:

Ein paar Tage vor der von Vladimir Putin befohlenen brutalen Invasion der Ukraine fand ich im Atelier in einer Schachtel mit Reiseerinnerungen eine Serie von Ansichtskarten, die ich 1974 auf einer Reise mit einer Gruppe von Schweizer Lehrerinnen und Lehrern durch die damalige Sowjetunion in Kiev gekauft hatte.

Damals galt in der UdSSR die von Leonid Breschnew postulierte Doktrin über die begrenzte Souveränität sozialistischer Länder.

Unser Schweizer Reiseführer hatte an der Universität von Moskau studiert und sprach fliessend Russisch. Tagsüber wurden wir von „linientreuen“ , perfekt Deutsch sprechenden Intourist-Führerinnen begleitet, die uns auf all die sozialistischen „Errungenschaften“ aufmerksam machten.

Wie viele dieser Gebäude hat Putins Invasionsarmee inzwischen wohl schon zerstört? Und wie viele unschuldige Ukrainerinnen und Ukrainer, Erwachsene und Kinder, hat sie dabei umgebracht?

Ausserhalb von Kiev besuchten wir ein Sommerlager von jungen „Pionieren“, die uns mit patriotischen Liedern begrüssten. Auf beiden Seiten des Rahmens, der die Bühne begrenzte, war oben ein Eichhörnchen gemalt – Stalins Lieblingstier, das hier die „Entstalinisierung“ überlebt hatte. Der Ukraine und Russland ist jetzt eine möglichst rasche „Entputinisierung“ zu wünschen!

Haynes Ranch

Auch die Haynes Ranch gehört zum Gebiet, das die Osoyoos Indian Band als Teil ihres ursprünglichen Reservats zurückfordert. Zollbeamter und Friedensrichter John Carmichael Haynes hatte um 1865 damit begonnen, der englischen „Krone“ grosse Grundstücke für seine Ranch abzukaufen, auf der schliesslich eine Herde von  4’200 Kühen weidete.

Auf dem Foto ist J. C. Haynes als „deputy collector of costums“ zu sehen. Das Haus, das er sich bauen liess, wirkt bescheiden.

Da präsentierte  sich das Haus von Sohn Val schon herrschaftlicher.

Auf dem folgenden Foto aus dem Jahr 1913 ist Val Haynes mit seinem Töchterchen Alice und dem Hund Tag zu sehen.

Die Sprayschrift im Hauseingang passt nicht schlecht zur Geschichte der Ranch: „Was in der Vorstellung beginnt, kann deine Wirklichkeit werden.“

Zum Schluss ein Blick auf die zerfallenden Gebäude vom Süden her.

Was für Vater und Sohn Haynes einst „Wirklichkeit“  war, löst sich langsam, aber sicher auf.

Während ich diesen Beitrag zusammenstellte, schweiften meine Gedanken immer wieder ab zu der von Vladimir Putin befohlenen brutalen Invasion der Ukraine, zu seiner Drohung, taktische Atomwaffen einzusetzen…