Ein Mariposa-Jahr

Noch nie blühten um unser Haus herum so viele Mariposa-Lilien.

Mariposa  (auf Spanisch „Schmetterling“) passt gut zu diesen eleganten, zarten  Blumen, die auf ihren 20 – 60 cm hohen Stengeln zu schweben scheinen.

Sie blühen in verschiedenen Formen und Violett-Tönen.

Für Kühe ist die „Sage brush mariposa lily“ eine Delikatesse, aber ganz offensichtlich nicht für die Hirsche, die uns immer wieder besuchen.

Die Okanagan Nations und die frühen Siedler gruben im Frühling die dicken, fleischigen Knollen aus, assen sie roh, dämpften oder kochten sie.

Die Blumen sind nicht geschützt, sollten aber trotzdem nicht gepflückt werden, weil sie seltener vorkommen als früher.

Selten ist ist die kleinere, weisse “ Lyall’s mariposa lily“. Sie kommt  im Okanagan Valley nur ganz im Süden, in den Hügeln an der Grenze zu den USA vor.

Vor Jahren führte uns der Vogel- und Pflanzenkenner Dough auf einer anstrengenden Wanderung steil hinauf zu einer abgelegenen Stelle, wo diese Blumenkostbarkeiten  blühen.

RipOff-Woche 2022

Unsere von Picassos Ziegen inspirierte RipOff Artists-Woche zog erfreulich viel Publikum an.

Bei der Eröffnung gab es unsere Vorarbeiten (Selbstporträts im „Picasso-Stil“) zu sehen.

Am ersten Arbeitstag bekamen wir auch Besuch von zwei Geisslein.

Meine Aufgabe bei den RipOffs ist es jeweils, eine veränderbare Installation zu kreieren und dabei auch etwas „Gesammeltes“ einzubauen.

Titel meiner Arbeit: IN 1904 PICASSO ALREADY THOUGHT THAT ONE DAY HE WOULD CREATE ARTWORK INSPIRED BY GOATS. Das Foto im alten Rahmen zeigt den 23-jährigen Künstler.

Weil Skulptur und bemalte Teller 1904 erst in Picassos Vorstellung existieren, habe ich sie „pointilistisch“ mit Tüpfchen dargestellt.

Auch dieses Jahr sind die Resultate unserer Bemühungen vielfältig.

Jetzt steht mein diesjähriger RipOff-Beitrag zusammen mit einigen „Vorgängern“ im Atelier.

Hier wartet er mit meinem „Selbstporträt“ auf den nächsten RipOff-Auftritt in der Fall Art Show im Community Centre von Oliver.

RipOff Challenge 2022

Es ist wieder soweit: Die RipOff Artists werden im Quail’s Nest Art Centre in Oliver vom kommenden Dienstag an und bis und mit Samstag vor Publikum arbeiten. Unser „Opfer“ ist dieses Jahr Pablo Picasso. Inspirieren lassen wir uns von den Ziegen, die er mit Skulpturen, Malereien und Keramiken darstellte.

Damit  an den Wänden von Anfang an etwas zu sehen ist, haben wir uns als Vorarbeit die Aufgabe gestellt, im „Picasso-Stil“ ein Selbstporträt zu malen. Hier das Resultat meiner Bemühungen:

Was das Thema „Ziegen“ betrifft: Ich war mit diesen neugierigen, frechen und eigenwilligen Tieren in den Centovalli seit meiner frühen Kindheit immer wieder in Kontakt.

Das Foto machte ich um 1970 auf einer Wiese bei unserem Centovalli-Refugium.

Enzo Ferrari

Wer den Namen Enzo Ferrari hört, denkt wohl an den italienischen Rennfahrer und Hersteller von Rennwagen. Das Foto zeigt ihn 1920.

Die folgende Aufnahme wurde 1967 gemacht.

Wer jetzt im Okanagan Valley den Namen Enzo Ferrari hört, kann auch an eine Klapperschlange denken.

Der Besitzer des Wagens hatte nach seiner rasanten Fahrt auf der kurvenreichen Rennstrecke auf dem Reservat der Osoyoos Indian Band…

…in der „Spirit Lodge“ übernachtet.

Die Pferde-Skulptur hatte ihn vielleicht an das Emblem auf seinem Ferrari erinnert.

Am nächsten Tag fuhr er seinen Wagen zur etwa 400 Kilometer entfernten Ferrari-Vertretung in Vancouver. Dort entdeckte ein Mechaniker einen blinden Passagier, den er für eine ungiftige Garter Snake hielt. Ein herbeigerufener Helfer der „Wildlife Rescue“ brachte die Schlange zur genauen Bestimmung ins „Dewdney Animal Hospital“, wo die Untersuchung zeigte, dass es sich um eine Northern Pacific Rattlesnake handelte, die im Nk’Mip Desert Centre in Osoyoos zu Forschungszwecken mit einem Microchip markiert worden war.

Mit ihrer abenteuerlichen Fahrt hatte sich die Klapperschlange den wohlklingenden Namen Enzo Ferrari verdient und wurde in guter Verfassung in einem Personenauto ins Desert Centre zurückgebracht, wo sie sich jetzt nicht mehr so rasant, aber dafür in Freiheit fortbewegen kann.

Wasserfälle

Im benachbarten Similkameen-Tal führt ein schmaler Pfad dem Manuel Creek entlang zu einem Wasserfall hinauf. Der Bach muss mehrmals überquert werden, was nur möglich ist, wenn er nicht zu viel Wasser mit sich führt.

Weiter von uns entfernt und nicht in eine Waldwildnis eingebettet, stürzen sich  beim Dorf Fintry am westlichen Ufer des Okanagan Lake die Fintry Falls über eine Felswand.

Das Foto machte ich von einem steilen Treppenweg aus. Die Fintry Falls lassen mich an den Wasserfall bei Remagliasco in den Centovalli denken. Dort war es für meinen Bruder und mich und unsere Nachbarkinder eine Mutprobe, sich der Remagliasca entlang vorsichtig zur Felskante vorzuwagen und einen Blick in die Tiefe zu werfen.

Die Aufnahme machte ich 1969 vom Flussbett der Melezza aus. Nicht verwunderlich, dass die Cascata di Remagliasco in meinem im Frühling 2023 erscheinenden Buch „Mein Kindheitskoffer“ vorkommt. 2008 wurde ein Foto im Hochformat für den Umschlag meiner vielstimmigen Tessiner Erzählung „Der Salon der Witwe Rusca“ verwendet.

Der Wasserfall von Remagliasco spielt darin eine schicksalsentscheidende Rolle.

Wasser

Wasser ist eine Kostbarkeit.

„The Magic Tap“ gestaltete ich 2001 als erstes Objekt meiner Installation „The Museum of Unknown Civilizations“, die 2016 in der Penticton Art Gallery zum ersten Mal als Ganzes ausgestellt wurde.

Im trockenen Klima des South Okanagan müssen Obst- und Gemüseplantagen, Rebberge und Gärten bewässert werden, was oft, wie auch in unserem Garten, mit Grundwasser geschieht. Zwar fliesst im Bächlein, das die Grenze zwischen unserem Land und einem Naturschutzgebiet bildet, im Moment noch Wasser…

…aber es verschwindet schon gegen die Strasse hin unter den Steinen.

Im Tal unten führt der Okanagan River dank Juni-Regen und Schneeschmelze noch viel Wasser.

Bei uns ist die Wiese zwischen Haus und Atelier auch ohne zusätzliche Bewässerung erstaunlich grün.

Die Aufnahme machte ich gestern um 17 Uhr 15.

Honig

Manuel und Raphael brachten uns bei ihrem Besuch im April Kastanienblütenhonig aus den Centovalli mit.

Erinnerungen an den betörenden Duft der Kastanienblüten stiegen auf.

Wir sahen Giacomo Salmina wieder vor uns, dem wir einst in Corcapolo frisch geschleuderten Honig abkaufen konnten. Die Aufnahme machte ich 1970.

Nicht mehr im Gebrauch waren die beiden Bienenstöcke, die ich ebenfalls1970 in Palagnedra fotografierte.

Das Glas mit dem Centovalli-Honig haben wir inzwischen geleert. Jetzt steht auf  dem Frühstückstisch der Honig, den die Bienen um uns herum sammelten.

Der Bienenzüchter Ray Levesque muss seine Stöcke allerdings mit einem elektrisch geladenen Zaun vor den naschhaften  Bären schützen.

Bärenferien

An den Aussenwänden von Tickleberry’s Laden und Cafeteria ist zu sehen, wie die Bären im Okanagan Valley ihre Sommerferien verbringen.

Sie unterscheiden sich dabei offenbar von anderen Touristinnen und Touristen vor allem dadurch, dass sie pelziger sind.

Wie sympathisch, dass der Bärengrossvater seinen Enkeln aus einem Buch vorliest.

Weil ich bisher an keinem See im Okanagan Valley eine entsprechende Strandszene fotografieren konnte, zeige ich hier ein weiteres Wandbild.

Die Werbung für Tickleberry’s Ice Cream ist nicht zu übersehen.

Vielleicht wäre es bei so viel Bärenidylle gut, wenn an der Ladentür deutlich sichtbar diese Warnung angebracht würde:

Auch wenn Bären sich oft vegetarisch ernähren, können sie bei einem unglücklichen Zusammentreffen einen Menschen schwer verletzen oder sogar töten.

Bärenbesuch

Jedes Jahr bekommen wir in unserer „Wildnis“ Bärenbesuch.

Vorgestern rief uns eine Nachbarin an: Ihr Hund habe einen Bären zu uns geschickt. Der erste Bär in diesem Jahr hatte uns in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai besucht und mich geweckt, als er auf unserer Porch erfolglos nach etwas Fressbarem suchte. Ich flackerte mit dem Licht neben unserem Eingang und öffnete vorsichtig die Haustür. Mit meiner Taschenlampe und einem leisen, aber bestimmten „Go!“ konnte ich ihn verjagen, ohne dabei Marianne zu wecken. Am nächsten Morgen entdeckte ihn Marianne hinter dem Atelier.

Bald sollte sich ein zweiter Schwarzbär zu ihm gesellen. Im Frühling, wenn bei uns noch keine Früchte und Trauben zu finden sind, müssen sich die Bären mit Gras und Balsam Root-Blättern begnügen.

Das Foto habe ich in der Aufregung etwas verwackelt. Im Pelz trägt der Bär Samenkapseln von Disteln mit sich.

Einverstanden, wir Menschen sind hier die Eindringlinge. Aber es ist auch für dich besser, wenn du dich vertreiben lässt.

Bei Tickleberry’s hatten vor Jahren unter Sonnenschirmen Glace schleckende Touristinnen und Touristen vor einer plötzlich mit zwei Jungen aufgetauchten Bärenmutter im Laden Zuflucht gesucht. Die Bären liessen sich nicht mit Lärm vertreiben und wurden schliesslich vom herbeigerufenen Conservation Officer erschossen.

„Unsere“ Kolibris

Seit dem 11. April suchen die Kolibris wieder die „Zuckerwasser-Tankstellen“ auf unserer Porch auf. Letztes Jahr kam der erste Kolibri am 10. April bei uns an.

Am 2. Mai nahm Kolibri-Spezialist Barry bei uns die Beringung der „Hummingbirds“ wieder auf. Das Foto zeigt ihn mit dem eingerichteten Fangnetz.

Im Jeep liegen die Messwerkzeuge  bereit.

Der erste Kolibri ist ein „recatch“. Barry trägt die Information, die ins winzige Ringlein eingraviert ist, in seine Liste ein, um später herausfinden zu können, wann und wo das Calliope-Männchen beringt wurde.

Das Vögelchen wird gemessen und gewogen.

Auf dem Rücken liegend kann es sich nicht bewegen. Es wiegt 2,5 Gramm.

Alles Fett wurde auf dem langen Flug von Mexiko zu uns ins Okanagan Valley aufgebraucht.

Barry legt den Kolibri in Mariannes Hand.

Von hier wird er steil in die Höhe schwirren.

Auch dieses 3 Gramm „schwere“ Rufous-Männchen wird im nächsten Augenblick aus Mariannes Hand auffliegen.