„Global Climate Strike“

Bevor ich mich mit „Andere Dimensionen 2“ den Sauriern in Alberta zuwende (sie sind offenbar eines für sie katastrophalen Klimawechsels wegen ausgestorben…), hier zwei Fotos im Zusammenhang mit der gestrigen „Global Climate Strike“-Demonstration vor der City Hall in Penticton. Für mein Poster fotografierte ich meine von Edvard Munchs Bild „Der Schrei“ inspirierte Installation „Something Went Wrong“.

Das zweite Foto zeigt mein Poster im Einsatz. Unser kanadisch-mexikanischer Künstlerfreund Norberto hält mir seine brennende Welt vors Gesicht.

Andere Dimensionen 1

Unsere Reise in die Nachbarprovinz Alberta führte uns zuerst nach Calgary, wo wir unsere Nichte Raffaele mit Familie trafen. Zusammen erkundeten wir bei minus 17 Grad Celsius die Grossstadt mit den Augen von Menschen, die – sei es in Oliver B.C. oder in Drayton Valley, Alberta – an den Anblick von bescheideneren Gebäuden gewöhnt sind.

Auch die öffentliche Bibliothek von Calgary setzt da ganz andere Massstäbe.

Natürlich beeindruckte uns diese grosszügige Architektur, was uns aber nicht daran hindert, uns in Oliver über unsere kompetent und freundlich geführte Gemeindebibliothek zu freuen. Die Ausleihe ist kostenlos. Die Bibliothek wird über die Steuern finanziert.

Finnland-Gedichte

Nach unserer Reise in die Nachbarprovinz Alberta – davon wird in den nächsten  Beiträgen die Rede sein – brachte uns die Post ein Belegexemplar des eben in Deutschland im Heiner Labonde Verlag erschienenen Buches „Die Nadelwälder dunkeln fort im Osten – Deutschsprachige Gedichte über Finnland und die Finnen“. (ISBN 978-3-937507-78-1). Es enthält auch drei meiner eigenen Finnland-Gedichte. Zusammengestellt und mit einem sachkundigen Vorwort versehen wurde die reichhaltige, sorgfältig gestaltete Anthologie von Volker Pirsich.

Ein Lesegenuss für alle deutschsprachigen Freundinnen und Freunde Finnlands! Bei Marianne und mir löst der Band viele Erinnerungen an unsere Aufenthalte in Finnland aus.

Wenn ich im Wohnzimmer von meinem Leseschaukelstuhl aufschaue, fällt mein Blick auf das Bild, das Marianne 1980 in einem mit Ästen improvisierten Rahmen webte. Es zeigt unsere Wäscheleine neben dem alten Schulhaus des Dörfchens Vassor bei Vaasa, in dem wir damals ein Jahr lang wohnten. Als wir dort dreizehn Jahre später ein paar Ferienwochen verbrachten, waren die russischen Wäscheklammern aus Holz, die wir am Draht zwischen den Kiefern zurückgelassen hatten, grau verwittert und von krausen Flechten überwachsen.

KINOSESSEL

Vor Jahren half ich als damaliges Vorstandsmitglied der Oliver Heritage Society beim Räumen des Museumskellers mit. Dabei stiessen wir auf vier verstaubte, von Spinnweben überzogene Sessel aus dem 1946 erbauten Oliver Movie Theatre. Das Aufräumen inspirierte mich zu meinem Jugendtheaterstück „Das Museumsgespenst“: Zwei Schülerinnen der elften Klasse erleben als Aushilfen im Museum eine turbulente Zeit. Zusammen mit dem Museumsdirektor Brian Greenwood gestalten sie eine kleine Sonderausstellung zur Geschichte des Kinosaals von Oliver und richten die alten Sessel als Blickfang ein.

BRIAN: Irgendwie werden wir einen Platz für die vier alten Kinosessel finden. Oder wenigstens für zwei davon. TERRY: Sie sind echt cool. Meine Eltern erinnern sich noch, wie aufgeregt sie waren, als sie zum ersten Mal zusammen ins Kino gingen. MIRANDA: Vielleicht gaben sie sich gerade in diesen Sesseln zum ersten Mal einen Kuss. Mega romantisch! BRIAN (lacht): Wir könnten dann ein entsprechendes Schildchen anbringen.

Seit zwei Jahren sind die Sessel jetzt wirklich Teil der ständigen  Ausstellung.  

Heute Abend werden wir uns mit Tochter Priska und Partner Ronny, die bei uns zu Besuch sind, im Oliver Movie Theatre den im Rahmen unseres „Movie Clubs“ gezeigten Film   „The Farewell“  anschauen.

Im Arbeitszimmer

Wenn, wie in den vergangenen Tagen, stürmische Herbstwinde durchs Tal brausen, ist es in unserem Arbeitszimmer unten besonders wohnlich. Auf meinem Schreibtisch stehen für die Zehnuhr-Pause zwei Kaffeetassen, Geschenke von Tochter Priska, und ein Espresso-Tässchen des Theaterverlags Elgg bereit. Bei Elgg ist eben mein neues Jugendtheaterstück „Leo und Johanna“ erschienen und in Deutschland im Heiner Labonde Verlag die von Volker Pirsich zusammengestellte Anthologie „Die Nadelwälder dunkeln fort im Osten – Deutschsprachige Gedichte über Finnland und die Finnen“. Der Band enthält auch drei meiner eigenen Finnland-Gedichte. Im Frühling wird dann der Münster Verlag in Basel mit dem Titel: „Pflaumengestirn und Hasenpfeffer“ eine Sammlung meiner von 1968 bis 2019 geschriebenen Gedichte veröffentlichen.

Auf der Staffelei steht mein Bild „Fröhliche Flechten auf karmesinrotem Fels“, das ich Anfang Oktober in der Oliver Art Show zeigte. Dass Marianne nach einer Sommerpause wieder an ihrem Webstuhl arbeitet, macht das Zimmer zu unserem gemeinsamen Atelier für kalte Tage.

Laghetti

Laghetti, 1988

Als ich letzte Woche meinen Beitrag „Kraftort?“ schrieb, kam mir die in den Centovalli hoch über dem Dörfchen Bordei gelegene Alp Laghetti in den Sinn. Ich würde sie nicht als „Kraftort“ bezeichnen, aber in der Erinnerung ist sie für mich ein Ort mit geheimnisvoller Ausstrahlung. 1896 wurde hier in der Hütte, die längst nur noch eine Ruine ist, die Ziegenhirtin Assunta Turri geboren. „Wie ein Geisslein“, sagte vor Jahrzehnten Rina, die Postina von Rasa, zu mir.

Laghetti, Keller, 1988

Im Herbst 1962 fand ein Pilzsammler Assunta tot in der Schlucht neben ihrem Maiensäss in Renalo. Ich übersetze aus einem damals im „Giornale del Popolo“ in Lugano erschienenen Artikel: „Eine 66-jährige Frau stirbt unter dramatischen Umständen in den Bergen. Schon oft hatte die Vormundschaftsbehörde versucht, Assunta Turri zum Eintritt ins Altersheim zu bewegen. Leider antwortete die Frau immer mit einem trockenen Nein. Sie zog es vor, unter elenden Bedingungen in einer Hütte zu leben, mit ihren Ziegen, die verwildert waren wie sie… Die Polizei hat das Unglück so rekonstruiert: Assunta Turri verliess vor mehreren Tagen die Hütte, um ihre verwilderten Ziegen zu suchen. Dabei glitt sie auf dem schmalen Weg aus und stürzte 40 Meter tief in die Schlucht, wo sie zerschmettert liegen blieb.“

Assuntas Maiensäss, 1987

Wer lesen möchte, weshalb der Kontakt mit Assunta für mich als Heranwachsenden wichtig war, findet auf dieser Website unter „Arbeitstisch“ und  „Meine mitgebrachte Kindheit“ einen kurzen Text. Das folgende Foto zeigt meine Mutter um 1960 im Gespräch mit Assunta, die ihre gesammelten Kastanien sortiert.

Kraftort?

Dieses Hügelchen  – ich sehe es von meinem Atelier aus – erinnert mich an eine Wanderung im „Indian Reserve“. Buddy A. von der Osoyoos Indian Band führte unsere Naturfreunde-Gruppe auf schmalen, kaum sichtbaren Pfaden, die er als Jäger bestens kennt.

Als Gast kam damals auch eine deutsche Touristin mit. Beim Anblick eines ähnlich geformten Hügelchens bemerkte sie zu mir auf Deutsch: „Das ist sicher ein indianischer Kraftort.“ „Fragen Sie doch Buddy gleich selbst“, schlug ich vor. Auf Englisch umschrieb sie für Buddy das Wort „Kraftort“ mit  „a special place loaded with spiritual forces“. Buddy antwortete mit seinem oft mit einer guten Portion Selbstironie gewürzten Humor: „Ich weiss nicht, ob es sich da um so etwas handelt. Das Einzige, was ich Ihnen mit Sicherheit sagen kann, ist, dass mein Onkel und ich uns dort einmal einen Rausch ausschliefen, bevor wir uns zu unseren Frauen zurückwagten.“

Buddy A.

Das folgende Foto zeigt eines der kraftvollen Wildpferde, die auf dieser Wanderung plötzlich vor uns auftauchten.

Festival of the Grape

Portugiesische Trommler und Delegationen mit ihren Fahnen

Am vergangenen Sonntag fand in Oliver das traditionelle „Festival of the Grape“ statt. Während nach den Eröffnungsreden und dem Erntedank-Gebet auf der Bühne eine Musikgruppe spielte, konnten die etwa 4000 Besucherinnen und Besucher die in mehrern Zelten ausgeschenkten Weine des South Okanagan degustieren.

Gleichzeitig war im Community Centre  die schon am Samstag eröffnete „Fall Art Show“ zu sehen. Sie zog, bei sonnigem Herbstwetter, deutlich weniger Leute an als das Traubenwettstampfen, bei dem es darum geht, in origineller Kleidung innerhalb von fünf Minuten möglichst viel Saft zu pressen.

Bearjolais statt Beaujolais

Mehrere Bären beteiligten sich, trotz elektrischem Zaun, wiederum auch tagsüber an der Traubenernte im Biorebberg unserer Verwandten. Marianne und ich behielten beim Pflücken der Maréchal-Foch-Trauben für unseren Wein sicherheitshalber die Rebenreihen um uns herum im Auge. Keith, der Partner unserer Nichte Clea – die beiden sind immer mehr an der Bewirtschaftung des grossen Rebbergs beteiligt – schlug schon vor Jahren vor, Marianne und ich sollten unseren Wein „Bearjolais“ nennen. Als Etikette könnte ich mir einen weinselig tanzenden Bären vorstellen.

Wood Rat

Nach der „Entdeckung“ des legendären Seeungeheuers N’ha – a – itk in Naramata wende ich mich jetzt einer anderen Entdeckung zu, einem kleinen real existierenden Landungeheuer, das über Nacht unseren Geräteschuppen in einen WohnWC mit Fress- und Schlafnische verwandelte. Der „Duft“ der Einrichtung erinnert mich an abgestandenes Bier, das possierliche Tier selbst an einen Siebenschläfer in Grossformat. Sohn Manuel schickte uns eben mit seinem Handy Bildchen aus dem Centovalli-Refugium: Siebenschläfer am helllichten Tag in der Pergola. Er habe die Uva Americana mit ihnen um die Wette pflücken müssen. Zurück zu unserem Besucher mit seinem buschigen Schwanz: Männliche Waldratten sammeln alles metallisch Glänzende, bei uns z.B. verzinkte Schraubenschlüssel, in ihr Nest, um damit die Weibchen zu beeindrucken. Unsere Ratte ging,  mit einem Klumpen Alufolie angelockt, in die Falle.

Der pelzige Kobold lebt jetzt, nach einer gemeinsamen Autofahrt, beim idyllisch gelegenen Mahony Lake…