Weihnachtsmann mit Fliegenpilzen

In Finnland erzählten uns Freunde, der Weihnachtsmann und seine Rentiere könnten nur fliegen, wenn sie vor dem Start einen Fliegenpilz-Sud getrunken hätten. Daran dachte ich und an all die prächtigen Fliegenpilze in den Centovalli und hier im Okanagan Valley, als ich diese Collage klebte.

Marianne und ich wünschen frohe Festtage und ein gutes 2019!

Ny-lin-tin

Das vorgestern von unserer Zufahrt aus aufgenommene Foto zeigt den Rücken des legendären „Battle Bluff“. Im Winternebel sieht er fast so geheimnisvoll aus wie die Legenden, die sich um ihn ranken. Hier sollen, lange bevor der erste Weisse ins Tal kam, mehrere Kämpfe zwischen rivalisierenden Indianerstämmen stattgefunden haben. Bei einer entscheidenden Schlacht hätten die einheimischen Krieger Eindringlinge aus dem Norden über die gegen Sonnenaufgang ausgerichtete senkrechte Felswand hinaus in den Tod getrieben. Die weissen Einwanderer nannten den Felsen dann nach einem der ersten Siedler „McIntyre Bluff“. Bekannt wurde das im ganzen Tal wohl am meisten fotografierte Wahrzeichen auch als „Indian Head“ oder „The Chief“. Heute dringt die Osoyoos Indian Band mit Recht darauf, dass es auf Karten und Prospekten endlich mit seinem alten Namen genannt wird: „Nçaylintn“ (ausgeprochen „Ny-lin-tin“, auf Deutsch übersetzt: „Der Geschichtenerzähler“). Vom Talboden aus sieht Ny-lin-tin häuptlingshaft ernst und majestätisch aus.

Auswanderungspläne 1989

Vor zwei Wochen fand ich in einem kleinen Tagebuch einen Eintrag, den ich am 10. November 1989 als 45-Jähriger in unserem Centovalli-Refugium schrieb. Ich zitiere einen Ausschnitt:

„Es ist, auch ohne Sonne, recht mild. Ich verpacke mich in einige Schichten, heize jedoch nicht ein, behalte beim Nachtessen um 17.30 (Spargelcrème-Suppe) die Tür offen, schaue dem Einnachten zu. Später Ruf des Käuzchens. Nachdenken über Auswanderung nach Kanada. Mit 50 wäre nicht schlecht (Ausbildung unserer Kinder einigermassen finanziert, ihre Pläne klarer, und ich hätte noch das eine oder andere schreibender- und malenderweise produziert, hoffe ich). Bin voll von Ideen und spüre auch die nötige Kraft (eine Wohltat nach den verschiedenen Schwächeanfällen vom letzten Jahr und vom Jahresanfang 89!).“

Den Kaffee kochte ich jeweils in meinem finnischen Kännchen über dem offenen Feuer.

Farben

Was die Herbstfarben betrifft, sind sich in Oliver und Umgebung alle einig: Sie waren dieses Jahr so prächtig leuchtend bunt wie noch selten. Was die neuen Farben des „Oliver Movie Theatre“ angeht, sind die Meinungen geteilt.

Die einen empfinden sie als eine optische Zumutung, die andern, darunter auch Marianne und ich, finden, dass sie so kitschig frisch und frech ganz gut zum 1946 gebauten Kino passen. Hier wird, neben den üblichen „Hollywood-Streifen“, jedes Jahr vor ausverkauftem Haus die „Global Film Series“ mit wichtigen neuen Filmen aus aller Welt vorgestellt. Der Schweizer Film „Die göttliche Ordnung“ über den Abstimmungskampf für das Frauenstimmrecht in den Appenzeller Halbkantonen (bei uns als „The Divine Order“ mit englischen Untertiteln gezeigt) erntete im vergangenen Februar, was in einem Kino nur selten der Fall ist, am Schluss spontanen, kräftigen Applaus.

Remembrance Day

Im Hinblick auf den Remembrance Day (11. November) tragen viele Kanadierinnen und Kanadier als Abzeichen eine stilisierte Klatschmohn-Blüte. Sie ist inspiriert vom Gedicht „In Flanders Fields“, das Oberstleutnant John McCrae 1915 im Ersten Weltkrieg während eines Fronteinsatzes in Belgien schrieb: „In Flanders fields the poppies blow / Between the crosses, row on row…“ McCrae kam im letzten Kriegsjahr 1918 selbst ums Leben.
An jedem 11. November um 11 Uhr 11 denkt Kanada in stiller Dankbarkeit an all die Männer und Frauen, die ihrem Land als Armeeangehörige in Kriegen, Konflikten und im Frieden dienten und dienen.

Das Wandbild in Oliver wurde von Leza Macdonald und Sally Burgess gemalt.

Halloween

Das Foto nahm ich an Olivers Hauptstrasse auf. Der Spuk ist verflattert, die Skelette haben ausgeklappert, die Gespenster ausgeheult, die Hexen sind auf ihren Besen davongesaust, die Kerzen in den Kürbisköpfen niedergebrannt und die Radio-Diskussionen zur Frage, welche Halloweenparty-Kostüme noch als politisch korrekt akzeptiert werden können, sind verstummt. Die Kürbisköpfe auf unserer Porch dürfen bleiben, bis sie in sich zusammensinken.

Québec 2

Eine Autofähre brachte uns über den St.Lorenz-Strom zum Städtchen Tadoussac. Im Informationszentrum sagte uns eine Auskunftsperson, das Wetter werde weiterhin so stürmisch bleiben, dass die Walbeobachtungsschiffe nicht würden auslaufen können. Aber vielleicht könnten wir ja morgen von der Küste aus etwas entdecken. Den Schwanzschlag eines abtauchenden Wals dürften wir allerdings nicht erwarten. Sie sei schon oft draussen gewesen, ohne je einen gesichtet zu haben. Durch heftigen Regen und kräftigen Wind begaben wir uns anschliessend zum ansprechend gestalteten Walmuseum. Am nächsten Morgen wanderten wir unter dunkel verhängtem Himmel durch Küstenwald zu den glatt geschliffenen Felsrücken.

Es regnete nicht mehr und der Wind hatte sich gelegt. Und da: Vor uns schossen Atemfontänen aus dem Strom, schwarze Rückenflossen durchschnitten das Wasser und plötzlich tauchte die mächtige, elegant geformte Schwanzflosse eines abtauchenden Wals auf. Manuel filmte. Ich füge hier einen auf dem Computer-Bildschirm fotografierten „Schnappschuss“ bei.

Nicht weit von der Autofähre entfernt sichteten wir dann die weissen Rücken von mehreren Belugas.

Québec 1

Auf unserer Fahrt entlang dem St. Lorenz-Strom machten wir in Sainte-Anne-de Beaupré Halt. Hier wird seit über dreihundert Jahren die wundertätige „bonne sainte Anne“ verehrt. Die heutige, aus Granit gebaute Basilika wurde 1934 eingeweiht. Neben diesem monumentalen Bau nehmen sich die Sant’Anna-Kirchen von Rasa und Costa sopra Borgnone sehr bescheiden aus. Im südlichen Schiff steht die vom einheimischen, 1928 gestorbenen Künstler Louis Jobin geschaffene Holzskulptur „La sainte Famille“.

Die Sant’Anna-Statue in Rasa ist aus bemaltem Feigenholz und stammt aus dem Jahr 1798.

Anglerglück

Mehrmals standen Sohn Manuel, Enkel Raphael und ich im Morgengrauen auf, um zusammen, ich als Assistent, in Oliver und Umgebung zu fischen. Wir wurden mit prächtigen Sonnenaufgängen und zwei Fischen belohnt.

Raphael fing einen Barsch (Yellow Perch).

Manuel konnte eine Forelle überlisten (Coastal Cutthroat Trout ?).

Unser Wein 2018

Nach unserer erlebnisreichen Québec-Reise „en famille“ trafen wir bei uns auf dem Secrest Hill leuchtende Herbstfarben und im Rebberg von Hans und Christine die letzten noch nicht gelesenen Trauben an. Zusammen mit Manuel und Familie pflückten und pressten wir sie bei sonnig mildem Herbstwetter.

Jetzt gärt in unserem Keller der „Maréchal Foch“ 2018.