Einschub

Bevor ich mich, wie im letzten Blog-Beitrag angekündigt, auf die Suche nach Spuren des berühmten Tessiner Künstlers Antonio Ciseri begebe, füge ich hier Aktuelles aus unserem Tal ein: Ende Monat läuft die Vernehmlassungsfrist für das seit Jahren heftig diskutierte Nationalpark-Projekt „South Okanagan – Similkameen“ ab. Marianne und ich hoffen mit vielen Befürworterinnen und Befürwortern noch immer, dass es trotz der lautstarken Opposition gelingt, einen Teil dieser einmaligen Landschaft mit ihrer so besonderen und damit auch besonders gefährdeten Pflanzen- und Tierwelt vor der drohenden Zersiedelung zu bewahren.
Die für uns enttäuschende Meldung aus dem Tessin vom Juni des vergangenen Jahres steigt in der Erinnerung auf : „Im Locarnese haben sechs der acht Gemeinden gegen einen ‚Parco Nazionale del Locarnese‘ gestimmt. Das letzte Nationalparkprojekt ist somit gestorben.“
Ich füge hier den Link zu einem kurzen Film bei, der für die Einrichtung eines Parks in unserer Gegend und im Nachbartal wirbt. Als Befürworter des Projekts tritt darin auch Clarence Louie, der Chief der Osoyoos Indian Band, auf.
https://vimeo.com/314906482/4cac8a0df9
Und hier gleich noch etwas mehr Werbung…

Spurensuche 2

„Der Kunstmaler Giacomo Damotti“, erzählte mir Filippo Mazzi 1967 in der Osteria Bordei, „wurde in diesem Haus geboren. Als junger Bursche sah ich sein Grab in der Kirche Santo Spirito in Florenz.“ Marianne und ich suchten es dort 1971 vergeblich. Damotti malte um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Um 1700 hatte in Florenz schon ein anderer Künstler gewirkt, der ebenfalls aus den Centovalli stammte: Taddeo Mazzi. Sein Selbstporträt, las ich im 1807 erschienenen „Dizionario storico raggionato degli uomini illustri del canton Ticino“, befinde sich in der „Galleria del Re d‘ Etruria“ mit anderen Bildnissen hervorragender Künstler. Das Bild wurde 2017 in Florenz in den Uffizien zusammen mit wichtigen Neuanschaffungen von Werken der Künstler Luca Giordano und Taddeo Mazzi gezeigt.
Filippo hatte als junger Mann in Florenz in einer der „Rosticcerie“ (Bratküchen) der Familie Mazzi gearbeitet. Er führte mich mit seinen Erinnerungen zur Witwe eines anderen berühmten Tessiner Malers: „Da stand ich vor dem Palazzo in Florenz, mit den gebratenen Hähnchen in der Hand, und eine Hausangestellte sagte mir: Die Witwe Ciseri ist eben gestorben, mach mit den Hähnchen, was du willst.“ Filippo wagte nicht, sie selbst zu essen. Er brachte sie in die Rosticceria zurück. An dieser Stelle möchte ich wiederum auf den Blog https://centovalli-tessin.ch/blog hinweisen und diesmal besonders auf den Beitrag von Professor Giampiero Mazzi. Die Spur von Antonio Ciseri nehme ich in meinem nächsten Blog-Beitrag auf.
Das Foto zeigt die Gaststube der Osteria Bordei 1967. Als Kommentar schrieb ich dazu in meinem Centovalli-Buch von 1972: „Hier steht die Zeit still.“

Spurensuche 1

Wer sich in der Schweiz mit lokaler Geschichte beschäftigt, stösst bald einmal auf Spuren, die in die weite Welt hinausführen. Das gilt ganz besonders auch fürs Tessin. Schon in meiner Kindheit wurden mir in den Centovalli spannende Auswanderer-Geschichten erzählt und auf viele mehr stiess ich bei meinen Nachforschungen für mein 1972 im Verlag Paul Haupt in Bern erschienenes Buch „Die Centovalli“. Freunde im Tessin neckten mich vor Jahren, ich sei schliesslich selbst auch ausgewandert, um meine „Tessinisierung“ zu vervollständigen.
Eine faszinierende Spurensuche ist jetzt auf https://centovalli-tessin.ch/blog in einem Beitrag von Renate Fennes aus Deutschland zu finden. Er führt von Verdasio nach Österreich, wo Vorfahren ihres Mannes in Langenlois und und Wien Kaminfeger-Betriebe gründeten, und gibt Einblick in die Geschichte der Familie Mazzi. Bevor ich mich in einem weiteren Beitrag den Erinnerungen an meinen freundschaftlichen Kontakt mit Filippo und Serena Mazzi in Bordei zuwende, füge ich hier noch bei, was ich im Dörfchen Moneto 1968 im Hinblick auf mein Centovalli-Buch notierte:
“ Das Dorf wirkt arm und verlassen. Man erzählt hier, dass 14 Familienväter während einer Pestepidemie in Österreich, wo sie als Kaminfeger arbeiteten, das Leben verloren haben. Die Hinterbliebenen hätten Land an die Leute von Camedo verkaufen müssen, die wirklich noch heute Land oberhalb des Dorfes besitzen. In der Kirche wird ein Bild aufbewahrt, das 1655 in Wien gemalt wurde.“
Das beigefügte Foto machte ich 1969 auf meiner Spurensuche in der Osteria Bordei. Ich notierte mir dazu:
„In der alten Casa Damotti befindet sich die Osteria Bordei. Die Familie Mazzi bewahrt in den Räumen des herrschaftlichen Hauses Bücher, Bilder und Waffen aus der Zeit der Emigration in die Toscana auf.“

Frisch verschneit

Bei uns ist es nach schneefreien Tagen wieder so richtig schön Winter geworden. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, meinen Blog mit dem neuen WordPress-Gutenberg-Editor wieder aufzunehmen und diese beiden Sätze mit einem aktuellen Foto zu illustrieren…

Blick vom Atelier aus zum Haus

Weihnachtsmann mit Fliegenpilzen

In Finnland erzählten uns Freunde, der Weihnachtsmann und seine Rentiere könnten nur fliegen, wenn sie vor dem Start einen Fliegenpilz-Sud getrunken hätten. Daran dachte ich und an all die prächtigen Fliegenpilze in den Centovalli und hier im Okanagan Valley, als ich diese Collage klebte.

Marianne und ich wünschen frohe Festtage und ein gutes 2019!

Ny-lin-tin

Das vorgestern von unserer Zufahrt aus aufgenommene Foto zeigt den Rücken des legendären „Battle Bluff“. Im Winternebel sieht er fast so geheimnisvoll aus wie die Legenden, die sich um ihn ranken. Hier sollen, lange bevor der erste Weisse ins Tal kam, mehrere Kämpfe zwischen rivalisierenden Indianerstämmen stattgefunden haben. Bei einer entscheidenden Schlacht hätten die einheimischen Krieger Eindringlinge aus dem Norden über die gegen Sonnenaufgang ausgerichtete senkrechte Felswand hinaus in den Tod getrieben. Die weissen Einwanderer nannten den Felsen dann nach einem der ersten Siedler „McIntyre Bluff“. Bekannt wurde das im ganzen Tal wohl am meisten fotografierte Wahrzeichen auch als „Indian Head“ oder „The Chief“. Heute dringt die Osoyoos Indian Band mit Recht darauf, dass es auf Karten und Prospekten endlich mit seinem alten Namen genannt wird: „Nçaylintn“ (ausgeprochen „Ny-lin-tin“, auf Deutsch übersetzt: „Der Geschichtenerzähler“). Vom Talboden aus sieht Ny-lin-tin häuptlingshaft ernst und majestätisch aus.

Auswanderungspläne 1989

Vor zwei Wochen fand ich in einem kleinen Tagebuch einen Eintrag, den ich am 10. November 1989 als 45-Jähriger in unserem Centovalli-Refugium schrieb. Ich zitiere einen Ausschnitt:

„Es ist, auch ohne Sonne, recht mild. Ich verpacke mich in einige Schichten, heize jedoch nicht ein, behalte beim Nachtessen um 17.30 (Spargelcrème-Suppe) die Tür offen, schaue dem Einnachten zu. Später Ruf des Käuzchens. Nachdenken über Auswanderung nach Kanada. Mit 50 wäre nicht schlecht (Ausbildung unserer Kinder einigermassen finanziert, ihre Pläne klarer, und ich hätte noch das eine oder andere schreibender- und malenderweise produziert, hoffe ich). Bin voll von Ideen und spüre auch die nötige Kraft (eine Wohltat nach den verschiedenen Schwächeanfällen vom letzten Jahr und vom Jahresanfang 89!).“

Den Kaffee kochte ich jeweils in meinem finnischen Kännchen über dem offenen Feuer.

Farben

Was die Herbstfarben betrifft, sind sich in Oliver und Umgebung alle einig: Sie waren dieses Jahr so prächtig leuchtend bunt wie noch selten. Was die neuen Farben des „Oliver Movie Theatre“ angeht, sind die Meinungen geteilt.

Die einen empfinden sie als eine optische Zumutung, die andern, darunter auch Marianne und ich, finden, dass sie so kitschig frisch und frech ganz gut zum 1946 gebauten Kino passen. Hier wird, neben den üblichen „Hollywood-Streifen“, jedes Jahr vor ausverkauftem Haus die „Global Film Series“ mit wichtigen neuen Filmen aus aller Welt vorgestellt. Der Schweizer Film „Die göttliche Ordnung“ über den Abstimmungskampf für das Frauenstimmrecht in den Appenzeller Halbkantonen (bei uns als „The Divine Order“ mit englischen Untertiteln gezeigt) erntete im vergangenen Februar, was in einem Kino nur selten der Fall ist, am Schluss spontanen, kräftigen Applaus.

Remembrance Day

Im Hinblick auf den Remembrance Day (11. November) tragen viele Kanadierinnen und Kanadier als Abzeichen eine stilisierte Klatschmohn-Blüte. Sie ist inspiriert vom Gedicht „In Flanders Fields“, das Oberstleutnant John McCrae 1915 im Ersten Weltkrieg während eines Fronteinsatzes in Belgien schrieb: „In Flanders fields the poppies blow / Between the crosses, row on row…“ McCrae kam im letzten Kriegsjahr 1918 selbst ums Leben.
An jedem 11. November um 11 Uhr 11 denkt Kanada in stiller Dankbarkeit an all die Männer und Frauen, die ihrem Land als Armeeangehörige in Kriegen, Konflikten und im Frieden dienten und dienen.

Das Wandbild in Oliver wurde von Leza Macdonald und Sally Burgess gemalt.

Halloween

Das Foto nahm ich an Olivers Hauptstrasse auf. Der Spuk ist verflattert, die Skelette haben ausgeklappert, die Gespenster ausgeheult, die Hexen sind auf ihren Besen davongesaust, die Kerzen in den Kürbisköpfen niedergebrannt und die Radio-Diskussionen zur Frage, welche Halloweenparty-Kostüme noch als politisch korrekt akzeptiert werden können, sind verstummt. Die Kürbisköpfe auf unserer Porch dürfen bleiben, bis sie in sich zusammensinken.